Huang, Guanwei: Knowledge Management System - Project Homepage, Groupware Competence Center, Paderborn 2003.

Wissenserschließungs- und Wissensorganisationsmechanismen

THEMES: Huang, Guanwei
META STRUCTURES: GCC Research\PhD.-Projects | GH | Projects\...\Research & Dev...
YEAR: 2003
 
Knowledge Management System
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Knowledge Management System
Wissenserschließungs- und Wissensorganisationsmechanismen

Dipl.-Wirt.Inform. Guanwei Huang
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1. Szenario “Knowledge Management (KM)” als Themenumfeld des Dissertationsprojektes

Im Zuge der Globalisierung und aufgrund einer beständig anwachsenden Dynamik des Marktes sehen sich Unternehmen einem immer härteren Wettbewerb ausgesetzt. Um eine wettbewerbsfähige Position in diesem wettbewerbsintensiven Umfeld zu erlangen, sind die Unternehmen gezwungen, die Bedürfnisse der Kunden möglichst schnell zu erfahren und anschließend rechtzeitig darauf zu reagieren. Das heißt, Unternehmen sollen ein sogenanntes “digitales Nervensystem” einrichten, in dem das benötigte Wissen jedes “Organs” richtig gefunden, verlustfrei transportiert und ausgenutzt wird. Außerdem sollen Unternehmen in die Lage versetzt werden, die ökonomische und technologische Entwicklung von Kooperationspartnern, Lieferanten und Konkurrenten frühzeitig zu erkennen, um mit ihren Strategien darauf reagieren zu können.
Heute befinden sich viele Unternehmen in dem Dilemma, dass sie einerseits das Wissen aus einer großen und kaum überschaubaren Menge von Informationen nicht extrahieren können und gleichzeitig das individuelle Wissen bzw. die Erfahrungen und das Know-how der Mitarbeiter kaum expliziert werden kann. Andererseits ist das bereits gesammelte Wissen nicht oder nur bedingt verfügbar, da regelmäßig ein immenser Aufwand bei der Suche nach dem entscheidungsrelevanten Wissen entsteht. Dies hat zur Folge, dass Entscheidungen verzögert oder aber basierend auf einem nur unzureichenden Wissensniveau getroffen werden.
Hieraus ergibt sich die bisher in der Forschung noch nicht hinreichend beantwortete Frage, wie man erreichen kann, dass das entscheidungsrelevante und somit nützliche Wissen einem Unternehmen kosten- und zeitsparend zur Verfügung gestellt werden kann.
Die Beantwortung dieser Frage wird immer dringlicher, weil das Wissen um Kunden, Produkte, Prozesse und Strukturen innerhalb und zwischen den Märkten als auch innerhalb der unternehmensinternen Strukturen ein, wenn nicht gar der entscheidende, Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen ist. In den sich (weiter) entwickelnden Dienstleistungsgesellschaften ist die ökonomische Existenz eines Unternehmens davon abhängig, ob es dem Unternehmen gelingt, das wertvolles marktrelevantes Wissen zu identifizieren, zu bewerten, zu transferieren und zu vermehren.
Lösungen dafür werden mit Ansätzen für “Knowledge Management” bzw. “Wissens-management” exploriert und entwickelt. Als ein neues Forschungsgebiet wird KM gegenwärtig stark beachtet. Der zentrale Ansatzpunkt von KM ist die Vorstellung, strategisch die Wissensressourcen des gesamten Unternehmens als gesonderte Entität zu identifizieren und zu nutzen. Unter anderem bedeutet dies, im KM-Kontext das Wissen eines Unternehmen abteilungsübergreifend operativ laufend verfügbar zu machen. KM ist eine Voraussetzung für zukünftige Wertschöpfungsprozesse. Deshalb ist es für mich herausfordernd und sinnvoll, auf dem Gebiet des “Knowledge Management” zu forschen.

2. Forschungsbedarf beim “Knowledge Management”

Auf diesem Gebiet lassen sich die bisherigen Forschungen im wesentlichen in zwei Dimensionen unterscheiden, nämlich in die unternehmenspolitische und in die technologische Dimension.
Hinsichtlich der ersten Dimension konzentrieren sich die Forscher vor allem auf die unternehmenskulturelle und -strategische Innovation, auf die Ausschöpfung des abteilungsübergreifenden Wissens sowie auf die Integration von individuellem Know-how in dynamisches Unternehmenswissen, nämlich durch die Transformation von implizitem Wissen, das sich in den Köpfen der Mitarbeiter befindet, zum expliziten Wissen, das in strukturierter Form vorliegt und mit geringem Aufwand von allen Unternehmensbeteiligten verwandt werden kann.
In der technologischen Dimension bemüht man sich sowohl in der Wissenschaft als auch in der angewandten Forschung insbesondere in IT-Unternehmen darum, die Informationen inner- und außerhalb der Unternehmensgrenze verfügbar zu machen, indem die technologische Infrastruktur auf Anwendungskonzepte basierend auf Groupware, Dokumentenmanagement, Workflow-Management im Intranet und Extranet, Messaging-Systeme, usw. ausgerichtet wird. Ein Ziel ist dabei, Wissensverteilung, “Knowledge Sharing” und Kooperation zwischen den Mitarbeiter des Unternehmens zu ermöglichen.
Auf diesem Gebiet sind bisher schon eine Fülle erfolgversprechender Ansätze zu beobachten, viele Probleme harren aber noch ihrer weiteren wissenschaftlichen Durchdringung.

3. Forschungsrichtung im Dissertationsprojekt

1) Die intelligenten Mechanismen der Wissensnavigation und -erschließung
Inner- und außerhalb des Unternehmens stehen große Mengen von Informationen in heterogenen Umgebungen zur Verfügung, die sich beispielsweise in relationalen Datenbanken, in Dokumenten, auf den Webseiten oder etwa in den Köpfen der Mitarbeiter befinden. Aber “Information” ist scharf abzugrenzen von “Wissen”. Das Problem besteht gerade darin, aus der Fülle von Informationen das relevante, Nutzen-stiftende Wissen herauszudestillieren und zielgerecht in Bezug zueinander zu setzen.
Deswegen sollen in meinem Projekt intelligente Mechanismen der Wissensnavigation und -erschließung entwickelt werden, damit aus den unstrukturierten, in unterschiedlichen Formen und Umgebungen abgelegten Informationen verfügbares Wissen wird. Agentenmechanismus kann hier benutzt werden. Ziel ist es, gemäß der Befugnis- und Interessenprofile der Benutzer die relevanten Informationen rechtzeitig und aufgabenangemessen zur Verfügung zu stellen. Die prototypische Entwicklung eines solchen Agentenmechanismus soll Bestandteil meiner Dissertation sein.

2) Die Mechanismen der Wissensorganisation und -transformation
Nach der Identifizierung von Wissen muss dieses organisiert und strukturiert werden, so dass das Wissen zum späteren Zeitpunkt leicht und effizient gefunden werden kann. Hierbei geht es um Wissensorganisations- und Transformationsmechanismen.
Bei Wissensorganisation müssen die Darstellungsmodelle des Wissens berücksichtigt werden, nach denen Wissen systematisch aufbereitet bzw. formalisiert wird, damit Informationen miteinander verglichen sowie automatisch und flexibel nach speziellen Themengebieten ausgewertet werden können. Außerdem soll das relevante Wissen mit Hilfe von anderen Mechanismen miteinander verknüpft werden, so dass das Wissen für jede Anfrage eine ganzheitliche Lösung darstellen kann.
Hinsichtlich der Wissenstransformation muss der Mechanismus die rechtzeitige und automatische Lieferung des für den Geschäftsprozess relevanten Wissen ermöglichen, dies beinhaltet insbesondere drei Aspekte:
--> Die Analyse der Daten ausgehend vom Prozesskontext.
--> Die Analyse der Daten ausgehend vom Benutzerprofil.
--> Das Verknüpfen der Analysen aus dem Prozesskontext und dem Benutzerprofil miteinander.
In diesem Bereich sind in den letzten Jahren viele Technologien begründet worden, die teilweise erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen, z.B. “Semantische Netzwerke”, “Full-Text Search”, “Inference Engines” u.a.m.. Im Rahmen der Dissertation soll ein Prototyp eines Wissensorganisations- und Wissenstransformations-Mechanismus entwickelt werden, der auf den am Groupware Competence Center in Kooperation mit industriellen Projektpartner in den letzten Jahren entwickelten Systemkonzeptionen aufsetzt.