Smolnik, Stefan; Heck, Klaus Thomas: Die Jünger der Anglizismen, in: Darmstädter Echo, 11.04.2003, Darmstädter Echo Verlag, Darmstadt 2003.

Hauptsache Englisch: Experten diskutieren beim Fraunhofer-Institut

THEMES: Smolnik, Stefan\K-Discovery | Heck, Klaus Thomas
META STRUCTURES: SS\...\Publications | SS\Publications
YEAR: 2003
Login Login
User: Anonymous


LABEL: Topic Maps
ORGANIZATIONS: Darmstaedter Echo | Fraunhofer Institut
THINGS: Anglismen | Commentary
 
Resources
.
Die Jünger der Anglizismen

Hauptsache Englisch: Experten diskutieren beim Fraunhofer-Institut

Von Klaus Thomas Heck

aus: Darmstädter Echo, 11.4.2003

Was sind Topic Maps? "Haupt-Landkarten", sagt Expertin A. Aha. "Themen-Karten", erklärt Wissenschaftler B. Soso. "Themen-Landkarten", meint Referent C. Donnerwetter! "Eine Möglichkeit der Wissens-Repräsentation", behauptet Spezialist D. Uuiiii!

Am Donnerstag haben sich eine Menge kluge Köpfe aus dem ganzen Bundesgebiet im Zentrum für Graphische Datenverarbeitung versammelt. "Darmstädter Kongresse - XML Topic Maps" nennt sich die Veranstaltung des Fraunhofer-Instituts, zu der 70 Teilnehmer aus Hamburg, Bingen oder Berlin kommen. Akademiker, Handel, Industrie.

Ihr gemeinsames Ziel ist der Kampf gegen die Informationsflut aus dem Internet oder am Arbeitsplatz. Weil der Datenwust immer mehr zunimmt, verbringt der moderne Mitarbeiter heutzutage eine halbe Stunde täglich mit unnötigen Suchzeiten.

Mit so genannten Topic Maps - siehe Erklärung A bis D - soll das Wissen nutzerfreundlich strukturiert und aufbereitet werden. Aber das sagt Dozent Holger Rath erst hinterher, denn das wäre ja Deutsch.

Stattdessen sinniert der 38-Jährige über "Topic Map Tools", "Occurences" oder das "Semantic Web". Heißa, so macht das Spaß! Munter werden englische und deutsche Begriffe durcheinander gewirbelt, von "Scopes" bis zu Verweisen. Die Herren im Publikum nicken vielsagen. Klar, logisch!

Bei Stefan Smolnik, dem Fachmann von der Universität Paderborn, wird alles noch viel besser. Von "Associations" spricht er. Die hat Rath, der Frevler, noch als Assoziationen bezeichnet. Aber das ist ja nun wirklich zu einfach. "Man kann im Web Client Topic Maps pflegen", sagt Smolnik und erzählt von "ekm, der modularen Knowledge-Management-Plattform". Natürlich, klar, haben wir uns doch gleich gedacht.

"Die Autorenumgebung ist nicht mehr read only", meint Smolnik kurz darauf. Wie bitte? Meint er die Programmiersprache "Read Only"? Mitnichten. Meint er, dass es gleich mehr gibt als Texte? Tatsächlich flimmern als nächstes ein paar Bilder über die Leinwand. Doch die wirkliche Lösung ist schon wieder eine andere: Der Autor, meint Smolnik, kann auch schreiben. Potzblitz, wie sensationell!

Referent Nummer vier, der Münchner Heiko Beier, listet gleich mal "ein paar cases" auf. Fallbeispiele. Und so geht sie weiter, die Reise durch die "Topic Map Welt" von Holger Rath und seinen Mitstreitern. Hier ein bisschen Deutsch, wenn's gar nicht anders geht. Und dort viele Bröckchen "Topic Maps" für für die Jünger der Anglizismen.

Erik Meißner (37) zuckt mit den Schultern. "Am Englischen kommen Sie einfach nicht vorbei", meint der wissenschaftliche Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts. Selbst 90 Prozent der heimischen Fachliteratur verwenden angelsächsische Begriffe.

"Vielleicht", meint Holger Rath hinterher, "sind wir IT'ler auch einfach zu faul, gescheite deutsche Übersetzungen zu finden." Könnte sein. Übrigens: Mit IT'lern sind Informatiker gemeint.

[Quelle (21.06.03): http://www.vds-ev.de/forum/viewtopic.php?TopicID=822]
.