Hesse, Ulrike; Riempp, Gerold: Studium mit Job-Garantie - Wirtschaftsinformatik an der Gesamthochschule Paderborn - Interview mit Gerold Riempp, in: Süddeutsche Zeitung, Beilage Hochschule & Beruf, Nr. 246, 25./26. Oktober 1997.

THEMES: Hesse, Ulrike | Riempp, Gerold
YEAR: 1997
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User: Anonymous


TIME: 1997
 

Studium mit Job-Garantie
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Egal ob Ingenieur, Lehrer oder Jurist: Inzwischen droht nach nahe jedem Studienabschluß die Arbeitslosigkeit. Nicht so bei den Wirtschaftsinformatikern an der Gesamthochschule Paderborn. Dort haben die Dozenten Schwierigkeiten, die Absolventen an der Universität zu halten, weil der Sog vom Arbeitsmarkt so groß ist, meint Gerold Riempp, Assistent am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik: "Die Chancen unserer Absolventen sind brillant auf dem Arbeitsmarkt. Im Bereich Informationssysteme sieht es im Moment überhaupt gut aus, dort werden sehr viele Leute gesucht, die SAP oder Lotus-Notes beherrschen. Unsere Studenten haben im Prinzip alle ihren Vertrag n der Tasche, noch bevor sie ihr Studium abschließen. Die meisten können aus einer Vielzahl von Angeboten wählen. Einer meiner Studenten hatte 18 Bewerbungen losgeschickt, daraufhin haben ihn 16 Firmen zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, und15 haben ihm dann einen Vertrag angeboten."
Kein Wunder, denn die Ausbildung als Wirtschaftsinformatiker ist in Paderborn up-to-date. Das fängt schon bei Lehrveranstaltungen an: Alle Vorlesungen und Seminare werden vollständig elektronisch vorbereitet und mit Hilfe eines Computers präsentiert. Die entsprechenden Lehrmaterialien können sich die Studenten vorab als Lotus Notes Datenbank vom Server herunterladen, um sich während der Vorlesung Anmerkungen zu machen. Dazu können sie ihre Computer an die Netzwerkknoten in den Vorlesungsräumen anschließen.
Die Studenten verfassen alle schriftlichen Hausarbeiten als Lotus Notes Datenbank und spielen sie selbständig auf den Universitäts-Server. Lediglich die Diplomarbeiten müssen aus rechtlichen Gründen zusätzlich als Papierversion abgegeben werden. Und auch die gesamte Lehrstuhl-Verwaltung wird per Lotus Notes abgewickelt.
Lotus Notes ist ein kommerzielles Software-Produkt, eine sogenannte Groupware Platform. Dadurch können lokale, aber auch weltweit verstreute Arbeitsgruppen Informationen austauschen. Das geschieht einmal durch elektronische multimediale Post, zum anderen durch Datenbanken, in denen Informationen für alle zugänglich aufbewahrt werden. Und vor allem gibt es einige Grundanwendungen, die je nach Bedarf angepaßt und weiterentwickelt werden können.
Wie das funktioniert, und welche Probleme dabei entstehen, das erleben die künftigen Wirtschaftsinformatiker täglich in ihrem Studium. Schließlich hat die Gesamthochschule Paderborn als einzige deutsche Universität den Status "Lotus Academic Education Partner". Das bedeutet, ihre Studenten können alle offiziellen Lotus-Zertifikate absolvieren. Statt den üblichen 10000 Mark für eine Schulung zahlen die Studenten so nur die Prüfungsgebühr von rund 150 Mark, die in Form von Arbeit abzuleisten ist.
Außerdem arbeitet der Lehrstuhl mit großen Firmen zusammen. Das sind unter anderen das Bundesverteidigungsministerium, die Deutsche Bank und die Deutsche Lufthansa. Paderborner Studenten haben für die Deutsche Bank Bausteine für ein Korrespondenz- und Verwaltungsprogramm mitentwickelt. Dadurch lernen die Studenten weit mehr als in den Vorlesungen. Allerdings kann sich das auch nachteilig auswirken, meint Gerold Riempp: "Unsere Studenten werden dadurch zum Teil sehr einseitig. Daher stellen wir auch Microsoft Exchange und Novell Groupwise vor und geben unseren Studenten einen Überblick über andere Systeme. Bei uns gibt's kein Denkverbot."

Internationaler Austausch

Gerade in der Wirtschaftsinformatik ist der internationale Austausch sehr wichtig. Daher wird nicht nur von den Studenten erwartet, daß sie einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen, sondern auch von den Dozenten. Um ein Auslandsstudium zu erleichtern, führt der Bereich Wirtschaftswissenschaften - zu dem auch die Wirtschaftsinformatik gehört - zum Anfang dieses Semesters das Credit Point System ein. Dadurch kann jeder Student im Hauptstudium selbst entscheiden, wann er welchen Kurs belegt. Die Universität verspricht sich davon noch kürzere Studienzeiten. Schon jetzt können die schnellsten Studenten ihr Studium nach acht oder neuen Semestern als Diplom-Wirtschaftsinformatiker abschließen. Übrigens: Der Frauenanteil liegt bei zehn bis 15 Prozent.
Fast alle zukünftigen Wirtschaftsinformatiker arbeiten neben dem Studium, meint Gerold Riempp. Und dieser Praxisbezug hilft später auch im Beruf: Die meisten unserer Absolventen gehen nach dem Studium entweder in die Organisations- und IT-Abteilungen großer Unternehmensberatung. "Ich glaube nicht, daß jemand unter 80000 Mark bis 90000 Mark Jahresgehalt anfängt."