Lotus; Groupware Town; Paderborn: Groupware Town Paderborn. FB Wirtschaftswissenschaften als Inkubator für IT-basiertes "Sharing" in der "Groupware Town" Paderborn.

Ludwig Nastansky: FB Wirtschaftswissenschaften als Inkubator für IT-basiertes "Sharing" in der "Groupware Town" Paderborn. In: Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paderborn: Zeitzeugen geben Einblicke in den Werdegang ihrer Fakultät. Hrgb. Caren Sureth-Sloane. Detmold (Eus...

THEMES: Lotus\Notes/Domino M... | Groupware Town | Paderborn
YEAR: 2017
PERM. URL: http://gcc.upb.de/K-Pool/Groupware-Town-Paderborn
 

Comments/attachments: Close
 

Ludwig Nastansky: FB Wirtschaftswissenschaften als Inkubator für IT-basiertes "Sharing" in der "Groupware Town" Paderborn.
In: Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paderborn: Zeitzeugen geben Einblicke in den Werdegang ihrer Fakultät.
Hrgb. Caren Sureth-Sloane. Detmold (Eusl Verlagsgesellschaft) 2017, S. 202-211.

FB Wirtschaftswissenschaften als Inkubator für IT-basiertes "Sharing"
in der "Groupware Town" Paderborn

Das Groupware Competence Center (GCC) am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Das Teilen von Informationen, "Sharing" in Neuspeak, hat seit etwa 2008 mit IT-basierten Angeboten in sozialen Medien wie FaceBook, Whatsapp, Twitter, usw. einen Siegeszug ohnegleichen für attraktive Kommunikationsoptionen in Gruppenumgebung angetreten. Der Durchbruch kam im wesentlichen durch eine explodierende Akzeptanz im privaten Bereich. Parallel dazu haben sich in den letzten Jahren kommerziell getriebene Interessengemeinschaften auf Internet-basierten Plattformen in einem exponentiellen Wachstumsschub ausgebreitet - Uber, AirBnB, und viele andere mehr. Je größer die Teilnehmergruppen, umso erfolgreicher. In ökonomischer Sicht, kehrt sich das klassische Gesetz sinkender Skalenerträge in sein attraktives Gegenteil um: Grenzbeitrag und Grenzertrag jedes zusätzlichen Teilnehmers wachsen mit der Gruppengröße!

Die mit dieser Entwicklung verbundenen Erfahrungen gehören im Jahr 2017 zum Alltag. Die dahinter stehende Gesetzmäßigkeiten bedürfen keiner besonderen Erklärung mehr, um in den darauf basierenden IT-Plattformen und Softwarewerkzeugen selbstverständlich privat wie beruflich genutzt zu werden.

Vor 25 Jahren war die Welt dagegen grundlegend anders, real wie auch in ihrem Verständnis der virtuell über Computer nutzbaren Optionen. Zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts begann der "Personal"-Computer seinen Siegeszug anzutreten. Individuelle Produktivität stand dabei im Vordergrund. Denken und Marketing der die PC-Revolution vorantreibenden IT Hardware- und Softwareanbieter war auf den persönlichen Nutzen in der individuellen PC-Anwendung ausgerichtet. Auch die ausschließlich kommerziell genutzten IT-basierten Anwendungen auf Basis sog. "Mainframes" oder "Mittlerer Datentechnik" (z.B. SAP) wurden auch nicht annähernd mit den Kategorien verbunden, die heute als entscheidend für ein erfolgreiches "Sharing" von Informationen und IT-Lösungen angesehen werden.

Die Idee des Teilens von Informationen und Wissen, "bottom-up", "viral" und initiativ ausgehend von jedem einzelnen Nutzer an seinem persönlichen Arbeitsplatz, der wiederum mit intelligenter und unsichtbarer Kommunikationssoftware automatisch mit den Computerarbeitsplätzen anderer Individualnutzer verbunden ist, war vor 25 Jahren grundlegend neu. Sie war äußerst ungewohnt und disruptiv für das vorherrschende PC-orientierte Individualdenken. Die Idee war so ungewohnt, dass sie generell und gerade auch von der Mehrheit der PC-Nutzer nicht verstanden wurde, sei es in ihrem Potential für betriebliche Arbeitsteams oder gar für Massengemeinschaften von Individuen in einer offenen netzverbundenen Umgebung.

In diesem Umfeld begann dann ab 1991 die Geschichte des "Groupware Competence Centers (GCC)" am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Das GCC hatte sich von Anbeginn zur Aufgabe gesetzt, den seinerzeit schwer bis gar nicht vermittelbaren Nutzen der Gruppenkommunikation mit geeigneten Softwarelösungen, mit "Groupware" also, wissenschaftlich zu durchdringen und vor allem auch konstruktiv im Design von innovativen Groupware-Prototyplösungen, oft mit Praxispartnern, voranzutreiben. Die mit dem GCC am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften verbundene Geschichte hat sich in vielen Episoden über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren, mit den überlebensnotwendigen Höhen und Tiefen, entfaltet. Typische Aktivitäten umfassten dabei, unter anderem: Grundlagenforschung; Design-orientierte Anwendungsforschung; Integration des damit verbundenen Wissens in die Lehre; Entwicklung von Software-Prototypen; Transfer dieser Prototypen in kommerzielle Anwendungen; Projekte mit Industriepartnern; Ausgründung von Startup-Unternehmen; Sharing und Diskussion der Arbeitsergebnisse in nationaler und internationaler Umgebung auf Konferenzen, Industriemessen und Partner-Events; Mitarbeitertraining in Partnerunternehmen; Hotline Service für Schulen; Zertifizierungsprogramme für Industriesoftware; Aufbau und Pflege einer Alumni-Umgebung von GCC-Mitarbeitern, Diplomanden und Promovierten.



GCC auf der CeBIT 1992
GCC auf der CeBIT 1992, der weltweit größten Messe für Informationstechnik in
Hannover. Die Universität-GH-Paderborn war dort 1992 erstmalig vertreten – Anlass
genug für die Stadt Paderborn, hierzu Journalisten zu einem „Paderborntag“an
den Hochschulstand einzuladen. Den eigens angereisten Repräsentanten aus der
Stadt und dem Kreis Paderborn wurde hier die große Bedeutung der Universität
auch als Wirtschaftsfaktor für die Region bewusst. Die vom Rektorat der Hochschule
als Resultat anwendungsreifer Forschungsergebnisse ausgewählten Exponate
wurden der Paderborner Prominenz –vertreten durch den Bürgermeister Wilhelm
Lüke (3. v. r.), die Beigeordnete Helga Bickeböller (4. v. r.) und den Stadtdirektor
Dr. Werner Schmeken (5. v. r.) –von Uni-Rektor Prof. Dr. Hans-Albert Richard (2.
v. r.) und Prof. Dr. Ludwig Nastansky (1. v. r.) erläutert.
Im Hintergrund (Mitte) ist Hartmut Hellwig zu sehen (Vorstandsvorsitzender
der Peacock AG; Hellwig gehört zu den Alumni
derFakultät für Wirtschaftswissenschaftenund war Partner bei
den Ausgründungen „Pavosoft GmbH“ und „Pavone AG“ aus
den Wirtschaftswissenschaften.

GCC Anfänge aus westfälischer Beharrlichkeit & High-Tech Vision

Dabei hat alles aus kleinen Anfängen an der Universität begonnen. Die am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften vom Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Ludwig Nastansky (1990 neuberufen von der Universität St. Gallen) gebildete Arbeitsgruppe konzentrierte sich von Beginn an mit hohem Elan auf eine von der Firma Lotus Development in den USA entwickelte, seinerzeit vollständig innovative Technologieplattform. Diese wurde als "Groupware" unter dem Produktnamen "Lotus Notes" herausgebracht. Die Wissenschaftler an der Uni Paderborn waren die ersten in Deutschland, die eine Lizenz für diese von ihnen als enorm zukunftsträchtig eingeschätzte Technologieplattform direkt von Hersteller Lotus in den USA erwarben. Dank an die Universität Paderborn für diese Starthilfe!

Lotus Notes als Technologieplattform hatte es in den ersten sechs Lebensjahren sehr schwer. Die damit verbundenen Konzepte wurden von kaum jemandem so recht verstanden oder gar ernst genommen. Dies galt für die Wissenschaft, wie auch für die potentielle betriebliche Massenkundschaft, sei es in Unternehmen oder öffentlichen Organisationen. Systemlösungen, wie etwa SAP aus Walldorf, oder das PC-Softwareangebot der Firma Microsoft beherrschten in dieser Zeit die Diskussionen. Die kleine Schar der Paderborner "Notes Enthusiasten" war dagegen unerschütterlich. Die Wissenschaftler der am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften ließen sich nicht beirren, dass die von ihnen auf der Grundlage von Lotus Notes entwickelten Lösungen, etwa für Dokumentenmanagement, Paperless Office, Workflow Management oder Projekt Management, absolut nicht in die zeitgemäßen Trends der universitären Forschung im Bereich der Softwaretechnologien passten.

Die (zu Beginn) kleinen Paderborner Start-Up Firmen, die ausgehend von den Ausstrahlungen dieser Grundlagenforschung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in den Jahren 1990 bis 1994 gegründet wurden, leisteten gleichfalls zunächst vor allem messianische Aufbauarbeit. Dies gegenüber einer skeptischen Kundschaft in Großunternehmen, mittelständischen Betrieben oder öffentlichen Organisationen, die beim Gedanken an effiziente Computerlösungen zunächst einmal ganz anderes im Kopf hatte als nun gerade auf die Team-Unterstützung in der Computerarbeit zu setzen. Dies war und ist aber nun einmal die Kernidee von Lotus Notes Groupware. Pionierarbeit leistete hier die Firma Pavosoft, die 1990 von Prof. Nastansky und Peacock Computer als erste vollständig auf Lotus Notes Groupware fokussierte Firma gegründet wurde. Nach dem Erwerb durch Lotus Consulting im Jahre 1992 stellte dieses Unternehmen im Technologiepark nahe dem Campus der Uni Paderborn die Keimzelle für professionelle Beratung und Vermarktung von Groupware-Lösungen in diesem zunächst nur zäh anlaufenden Softwaresegment dar.



Im GCC am FB Wirtschaftswissenschaften entwickelte und später kommerzialisierte Groupware-Lösungen, 1995
Prozessmanagement ("Workflow") und Projektmanagement

Ihre Beharrlichkeit sollte den Paderborner Wissenschaftlern, den mit ihnen kooperierenden neugegründeten Softwarehäusern und den vielen frisch Diplomierten und Promovierten, die nach ihrer universitären Ausbildung in Groupware die damit gegebenen Wirtschaftlichkeitspotentiale auch umzusetzen trachteten, gelohnt werden. Der Durchbruch von Lotus Notes Groupware kam mit dem spektakulären Aufkauf der Firma Lotus Development durch IBM, für den (seinerzeitigen) Rekordbetrag 5 Mrd. DM im Jahre 1995. Dieser Ritterschlag für Lotus Notes brachte die ganze Szene - endlich - ordentlich in Trab. Und die Paderborner hatten eine ausgezeichnete Startposition.

Führend in den Groupware Boom

Drei mittelständische Paderborner Unternehmen entwickelten sich nach ihren Anfängen seit 1995 zu führenden Unternehmen auf dem deutschen und internationalen Groupwaremarkt: Pavone Informationssysteme GmbH und Onestone Information Technologies GmbH (beide Ausgründungen aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften), sowie Teamwork Information Management AG. Sie beschäftigten im Jahre 1999 insgesamt etwa 350 Mitarbeiter, ein Großteil direkt aus der Universität Paderborn rekrutiert. Diese Unternehmen standen z.T. untereinander im Wettbewerb, z.T. ergänzten sich ihre Dienstleistungen und Produkte. Ihr Angebot erstreckte sich auf Consulting, Entwicklung, Einführung, Betreuung sowie Training im Bereich kundenspezifischer Groupwarelösungen und Entwicklung, Projektierung, Vermarktung, Schulung und Technologie-Transfer (z.B. durch Symposien, Workshops) im Bereich von Standardprodukten für Groupware-basierte Intranet- und Internet-Anwendungen.

Ein Schnappschuss aus dem Jahre 1999: Teamwork als seinerzeit umsatzstärkstes Unternehmen in diesem Trio mit sieben Geschäftsstellen in Deutschland und Tochtergesellschaften in Großbritannien setzte auf ein breites Portfolio von Dienstleistungen bei Branchenlösungen (insbes. Industrie, Handel, Finanz, Energie, Kommunalbereich) und branchenunabhängige Lösungsbausteine auf dem Groupwaremarkt. Pavone entwickelte und vermarktete komplexe Standardprodukte im Office Bereich, für Workflow Management, Projekt Management und integrierte Enterprise Lösungen, dies gemeinsam mit dem Partner Notesware Ltd. (Großbritannien) auf deutschen und internationalen Märkten. Onestone konzentrierte sich mit seiner Tochtergesellschaft in den USA auf sein international preisgekröntes Workflow-Framework, mit dem Prozessketten in Groupware-basierten Anwendungen effektiv eingeführt und betrieben werden können. Neben diesen drei Unternehmen hatten und haben weitere Paderborner Firmen den Groupwarebereich in ihr Dienstleistungs- und Produktangebot aufgenommen, zu einem großen Teil als Neugründungen von Absolventen des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. In dem im Jahre 1999 vom "Media Team" in Paderborn herausgegebenen Handbuch über wirtschaftliche Chancen und Entwicklungen der Stadt Paderborn fand sich die zusammenfassende Bezeichnung "Groupware Town Paderborn" für alle diese unternehmerischen Aktivitäten. Wie entwickelten sich die Firmen weiter? "Onestone ..." wurde von IBM mit Übernahme des Workflow-Frameworks aufgekauft. "Teamwork ..." wurde Opfer der ersten Dotcom-Blase und ging im Nov. 2000 in die Insolvenz. Die Pavone AG in Paderborn existiert und ist inzwischen Tochtergesellschaft einer US-Firma.

Funktionierendes Partnerschaftsmodell zwischen Wissenschaft und Praxis

Gemeinsam war allen diesen Unternehmen - neben der Ausrichtung auf die Technologieplattform Notes Groupware -, dass sie den Technologietransfer ausgehend vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in der Universität Paderborn mit ihrem nahegelegenen Technologiepark intensiv genutzt haben und zu eine Teil immer noch weiter nutzen. Studierende aus Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsingenieurwesen oder Informatik waren in diesen Unternehmen im Rahmen von Studien- und Seminararbeiten, Praktika, Diplomarbeiten oder Dissertationen studienbegleitend, berufsvorbereitend oder forschungszentriert in vielerlei gemeinsamen Projekten involviert. Die Curricula an der Uni Paderborn und das im Jahre 1997 am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften eingeführte "Credit-Point"-System unterstützen dies. Beim Berufsstart haben diese Diplomanden oder frischpromovierten Doktoren insbesondere in den Entwicklungslabors dieser Firmen den Brain-Trust dargestellt (und die bis zum letzten herausgeforderten Leidensträger, wie sie schnell lernen), um an der Uni Paderborn als Prototypen konzipierte Ideen aus dem Grundlagenbereich in kommerziell erfolgreiche Lösungen und Produkte umzusetzen. Das GCC diente dabei als organisatorische Klammer.

In diesem integrierten High-Tech Umfeld wurden aus dem GCC mit seinen Partnern eine Fülle von Großunternehmen in Deutschland und im internationalen Raum mit innovativen Anwendungen und der Einführung von Groupware-basierten Informations- und Kommunikationstechnologien begleitet. Allein die ersten Adressen unter diesen Kunden aufzulisten, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Um einen kleinen Eindruck von der umfassenden Breite dieser Projektpartnerschaften zu geben sei - beispielhaft - nur auf einen Ausschnitt verwiesen: Bahlsen, BMW, Deutsche Bundeswehr, Daimler Benz Aerospace, Deutsche Bank, Deutsche Bundesbank, Deutsche Telekom, Edeka, E-Plus, Goodyear, Gruner & Jahr, Hoffmann la Roche, Mercedes Benz, Miele, Oetker, Schöller, Siemens Nixdorf, Toshiba, Rhenus, RWE, Schweizer Rückversicherung, Texas Instruments, VEBA, VEW.



Groupware Competence Center Bank (GCCB), 1998
Präsentation und Beratung des "DB-Informationspools" im Eschborner IT-Zentrum der Deutschen Bank

Einen Höhepunkt in der effektiven Nutzung von Groupware-Kompetenz aus Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und Uni Paderborn war die Unterstützung des ehrgeizigen Lotus Notes Einführungsprojektes der Deutschen Bank in den Jahren 1997/98. Insgesamt etwa 140 Studierende und Diplomanden an der Uni Paderborn haben sich in vielfältigen Projektpartnerschaften, unter anderem mit CampusConsult, engagiert, Lotus Notes Groupware in den 1.200 Filialen der Deutschen Bank erfolgreich einzuführen.

Die im GCC gemeinsam mit Partnern aus der Industrie entwickelten kollaborativen IT-Lösungen fanden auch in der Infrastruktur des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften ihren Niederschlag. In den Jahren 1996-1998 wurden im Dekanat und Fachbereich eine Fülle der bis dato isolierten PC-Anwendungen durch eine integrierte Office-Umgebung mit Lotus Notes basierten Anwendungen ersetzt. Die Funktionalitäten erstreckten sich auf internes und externes Korrespondenzmanagement, integriertes e-Mailing und Kalendermanagement, Überführung der allfälligen administrativen Papierflut in Dekanatsbüro und Fachbereich in ein integriertes elektronisches Dokumentenmanagement. Damit wurde Gremienarbeit wie u.a. Fachbereichsrat oder Promotionsausschuss unterstützt, Lehrveranstaltungsmanagement und Modulhandbuch wurden in kollaborativer e-Umgebung realisiert. Rundschreiben und Dokumentenverteilung wurden in eine "Sharing"-Infrastruktur überführt, auf die Fachbereichsmitglieder fachbereichsintern und extern Zugriff hatten, bei gestaffeltem und gruppenzentrierten Zugriffs- und Sicherheitsmanagement. Diese allein vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften mit Unterstützung des GCC unterhaltenen zusammenhängenden und teils hochintegrierten Anwendungen waren führend an Universität Paderborn und kamen seinerzeit wohl dem Ideal eines ganzheitlichen IT-Ansatzes für Fakultätsmanagement am nächsten.

Internationale Ausstrahlungen

Die Ausstrahlungen dieser Groupware-Kernkompetenz reichten um den ganzen Erdball. Das GCC und mit ihm die Universität Paderborn haben im Hinblick auf Kollaborationstechnologien Spuren hinterlassen und Duftmarken gesetzt in Europa (besonders: UK, Dänemark, Finnland, Frankreich, Polen), USA, Asien (Hongkong, Singapur) und Australien. Der seinerzeitige Rektor der Universität Paderborn Prof. Dr. Wolfgang Weber berichtete schmunzelnd nach der Rückkehr von der Europäischen Rektorenkonferenz 1998 in Berlin, er sei von einer Kollegin aus Australien nach seiner Universität und ihrem Standort gefragt worden. Auf die Antwort "Paderborn" habe sie unmittelbar verstehend reagiert: "Ach, die Stadt mit der Lotus Notes Universität".

Alljährlich im Januar fand über 20 Jahre mit der "Lotusphere" der weltweit größte Groupware Kongress in Orlando (Florida, USA) statt. Die Kapazitäten dieser von IBM veranstalteten typisch amerikanischen Industriekonferenz über Innovationen in Team-basierten Informations- und Kommunikationstechnologen waren in Spitzenzeiten mit etwa 12.000 Teilnehmern voll erschöpft. Wissenschaftler wie auch Diplomanden aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschafter waren von Anbeginn dieser Technologie-Show immer dabei. Sie präsentierten und diskutierten dort vor einem internationalen Auditorium ihre Projekte im Bereich innovativer Groupware-basierter kommerziell geeigneter Forschungsergebnisse und Prototypen, sowie über neue Entwicklungen bei Lehr- und Lerntechnologien. Entwicklungschefs Paderborner mittelständischer Partnerfirmen nahmen dort Auszeichnungen für beste Groupwarelösungen entgegen, die sie in einem hart umkämpften weltweiten Markt unter 3.000 anderen Wettbewerbern errungen hatten.



Lotusphere: Alljährliche Groupware-Konferenz in Orlando/Florida, bei regelmäßiger Mitwirkung des GCC


GCC-Team auf der Lotusphere - Dr. Erdmann & Prof. Nastansky im SpeedGeeking - GCC Alumni Niklas Heidloff beim Vortrag



Besonders stolz war man im Groupware Competence Center, dass im Frühjahr 1999 vom Lotus Department der IBM in den USA die bei Onestone entwickelte Geschäftsprozess-Lösung "Prozessware" aufgekauft wurde und zur Workflow-Engine "IBM Lotus Workflow" der gesamten Groupware-Plattform IBM Lotus Notes/Domino auserkoren wurde. Wissenschaftler und Diplomanden vom Groupware Competence Center an der Universität Paderborn haben dazu in den Jahren 1993 bis 1995 in einer Vielzahl von Working Papers, Zeitschriftenveröffentlichungen und Konferenzbeiträgen, Seminar- und Diplomarbeiten sowie Dissertationen die konzeptionellen Grundlagen gelegt und notwendigen Prototyping-Vorarbeiten geleistet. Ein Teil dieses Paderborner Entwicklungsteams ehemaliger Studenten der Uni Paderborn migrierte dazu 1999 in das Lotus Department der IBM nach Cambridge - in die Umgebung der berühmten "Route 128" um die Metropole Boston, dem zweiten "Silicon Valley" der USA. Das war der Startschuss für am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften entwickelte Softwarelösungen, weltweit in Großunternehmen oder mittleren Betrieben Geschäftsprozesse "zu schmieren und zu ölen": Workflow-Anwendungen kommt nämlich die Aufgabe zu, im innerbetrieblichen Informationsmanagement im Intranet von Unternehmen oder auf elektronischen Märkten über den Internetverbund die Geschäftsprozesse von einem Arbeitsplatz zum anderen voranzutreiben und schließlich zu einem für die Geschäftspartner (hoffentlich) erfolgreichen Abschluss zu bringen. Impaktfaktor: Nach eigenen Angaben wurden von IBM an eine internationale Kundschaft weltweit mehr als 10 Mio. Lizenzen für "IBM Lotus Workflow" erteilt. Paderborner Unternehmen haben darüberhinaus mehr als 300.000 Lizenzen ihrer auf GCC-Prototypen basierenden Office- und Workflowlösungen an eine internationale Kundschaft uaf einem B2B-Markt verkauft.

Was bleibt vom Groupware Competence Center?

Zurückblickend bleibt für GCC-Alumni die nicht als unangenehm empfundene Erinnerung, sich mitgestaltend an der Entwicklung IT-basierter Kollaborationslösungen in einem internationalen Rahmen mit Gleichgesinnten engagiert zu haben. Dies durchweg gegen erhebliche Widerstände in der etablierten Forschungsszene und seinerzeitigen Unternehmenspraxis mit einem immer wieder zu erneuernden Motivationsschub à la "Wir gegen den Rest der Welt". Die Idee eines IT-basierten "Sharing" des Informations- und Wissensflusses innerhalb von Gemeinschaften Gleichgesinnter, vor 25 Jahren nicht erklärbar (trotz höchst ausgeprägter wissenschaftlich Kompetenz im GCC-Team ) , wurde mit dem weltweiten Durchbruch sozialer Medien heute ein keiner Erklärung bedürfendes Allgemeingut.

Prof. Dr. Ludwig Nastansky

Groupware Competence Center Paderborn

Referenz

Groupware Town Paderborn - Lotus Notes Groupware made in Paderborn. In: Wirtschaftsstandort Paderborn, Chancen und Perspektiven einer Stadt. Paderborn (Media Team) 1999, S. 86 - 90.