Wasem-Gutensohn, Jürgen; Nastansky, Ludwig: eLearning in der Uni, in: Groupware Magazin Oktober/November 7/2000, 4. Jhg., H&T Verlagsgesellschaft mbH, Offenburg 2000, pp. 3.

THEMES: Wasem-Gutensohn, Jürgen | Nastansky, Ludwig\e-Learning
YEAR: 2000
 
eLearning in der Uni
Hochschulen sind natürlicherweise Orte, an denen gelernt und gelehrt wird. Damit bietet sich dort die Anwendung einer eLearning­Plattform wie LearningSpace in vielen Aufgabenbereichen geradezu an. Andererseits hat das moderne eLearning in Hochschulen zu einer Veränderung der Lernkultur geführt.


Von Jürgen Wasem­Gutensohn

Bereits im Wintersemester 1998 wurde im Fachbereich Technik an der Fachhochschule Heilbronn das Pilotprojekt "Informationsmanagement und virtuelle Lehre" (IvL) durchgeführt. Dazu entwickelte man mit Hilfe von Lotus LearningSpace eine Lernumgebung für Lehrveranstaltungen im Labor Elektronik. Im Rahmen einer Diplomarbeit sowie Studien­ und Laborarbeiten gelang es, die Lernumgebung so zu gestalten, dass seit dem Sommersemester 1999 alle Laboraufgaben über Lotus LearningSpace abgerufen werden können. Nachdem die Studenten ihre Messungen im Labor durchgeführt haben, geben sie die aufbereiteten Arbeitsergebnisse über das Internet zurück. Korrekturen und Bewertung werden dann vom Dozenten papierlos durchgeführt.
Dazu müssen die Beteiligten nicht unbedingt in der Hochschule sein. "Das funktioniert weltweit und rund um die Uhr", berichtet Prof. Dipl.Ing. Prochaska. "Als ich kürzlich in den USA war, konnte ich im LearningSpace nachsehen, was die Studenten abgeliefert haben." Der Informationsaustausch der derzeit etwa 50 Studierenden in diesem Labor erfolgt ausschließlich über einen WebBrowser, einschließlich der Anmeldung zur Zulassung. Dabei ist die Sicherheit und Integrität der Daten gewährleistet: Jeder Student hat ein eigenes Passwort, der Dozent hat natürlich Zugriff auf alle Inhalte.
Auch Diplomarbeiten und Seminararbeiten wickelt Prof. Prochaska über das Internet ab. Im Learning Space gibt es dafür einen eigenen Raum, in dem befinden sich alle Unterlagen wie Protokolle, die Zwischendokumente usw. "Es ist mehr als nur ein e-Mail-System - es ist ein richtiger Lernort, auf den alle Beteiligten zugreifen können", sagt Prof. Prochaska. Einen weiteren wichtigen Aspekt möchte der Hochschullehrer nicht unerwähnt lassen: "Durch den Umgang mit eLearning gewöhnen sich die Studenten, die sich ja primär mit Technik beschäftigen müssen, auch an moderne Kommunikationsmethoden. Dies gehört heute zum ingenieurmäßigen Arbeiten unbedingt dazu."

Ergänzung zum traditionellen Lehrbetrieb

Die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaft und Informatik Universität Paderborn gehören seit langem zu den Lotus Notes/Domino-Hochburgen in der Deutschen Hochschullandschaft. Hier wird nicht nur der Umgang mit Notes und Domino gelehrt, sondern auch in einem LerningSpace­Environment gearbeitet.

Derzeit gibt es in Paderborn 30 verschiedene Lehrangebote, die als eLearnig verfügbar sind. "Allerdings ist dies bei uns im Modell einer Anwesenheits­Universität als begleitendes Angebot zu traditionellen Lehrmethoden zu sehen", erläutert Prof. Ludwig Nastansky. "Wir benutzen eLearning zum Beispiel für den Laborbetrieb, allerdings nicht zum Fernstudium."
Wenn es darum geht, eine Infrastruktur für virtuelles Lernen aufzubauen, dann ist nach Meinung von Prof. Nastansky LearningSpace die beste Plattform, die dafür derzeit erhältlich ist. "Ich empfehle das für diese Fälle immer." So wurde erst kürzlich ein Projekt für eine türkische Universität mit LearningSpace realisiert, die dazu diente, eine virtuelle Lehr­Infrastruktur für das Fernstudium aufzubauen.


Die Universität St. Gallen gehört als ehemalige Wirkungsstätte von Prof. Nastansky zu den "Notes-Keimzellen" in der Schweiz. Inzwischen gibt an dieser Hochschule etwa 5.000 Notes-User (davon 4.000 Studenten und 1.000 Verwaltungs­ und Institutsangehörige). In dieser Umgebung konnte sehr viel Erfahrung mit Notes und Domino gesammelt werden, so dass die entsprechende Kompetenz auch für LearningSpace vorhanden ist. Nicht ohne Stolz weist Prof. Andrea Back darauf hin, dass die Universität St. Gallen offizielle Lotus Educational Academic Partner (LEA) ist.
LearningSpace wird in St. Gallen für den Lehrbetrieb genutzt. Ein Beispiel dafür aus dem laufenden Lehrbetrieb ist der Kurs "Lotus DominoDatenbankentwicklung". Es handelt sich um eine betreute Lehrveranstaltung, an der 30 Studenten teilnehmen.

Das Forschungsprogramm Genius (Groupware enabled Learning Environment for Education in Management at the University of St. Gallen) dient sowohl für methodische Konzepte als auch technologische Implementierung in teamorientierten Lernumgebungen. Für Genius wurden im Rahmen von Forschungsprojekten am Institut von Prof. Andrea Back Erfahrungen mit der Anwendung von LearningSpace erarbeitet.


LearningSpace 4.0

Lotus LearningSpace 4.0 ermöglicht es Lehrkräften, Inhalte für unterschiedliche Lernsituationen aufzubereiten. Die Module einer Schulungsreihe können Textdokumente, Audio­ und Videosequenzen, Softwaresimulationen, Grafiken oder Animationen umfassen, die Lernende individuell und ad hoc oder online in "virtuellen Klassenzimmern" gemeinsam mit Kollegen bearbeiten. Abhängig von den jeweiligen Zielgruppen sieht Lotus LearningSpace vor, Lerninhalte und ­methoden flexibel aufeinander anzupassen.
Mit Lotus LearningSpace 4.0 lassen sich unterschiedliche Lehr­ und Lernverfahren nutzen und beliebig kombinieren:
  • Selbstbestimmtes Lernen; Dabei haben einzelne Personen die vollständige Kontrolle über die Lerngeschwindigkeit bei der Ad­hoc­ Bearbeitung von Kursmaterialien; diese können wenig oder auch ­ mit einer Vielzahl von Lernkontrollen ­ stark strukturiert sein.
  • Kooperatives Lernen (asynchron): Unabhängig von Ort und Zeit können dabei Teams vorgegebene Übungen bearbeiten. Diese Art des Lernens eignet sich besonders für Aufgabenstellungen, bei denen es gilt, Problemlösungsfähigkeiten unter Beweis zu stellen, sowie als Diskussionsforum.
  • Realtime-Lernen (synchron): Mit Lotus LearningSpace lässt sich ein virtuelles Klassenzimmer unter Nutzung von allen zur Verfügung stehenden Multimediatools einrichten. Dies ermöglicht eine direkte, zeitgleiche Kommunikation und Kooperation mit anderen Lernenden und einer Lehrkraft.
Lotus LearningSpace 4.0 bietet eine umfassende, flexible, integrierte eLearning-Plattform, die sowohl die Anforderungen von Kursdesignern als auch von Instruktoren, Lernenden und Bildungsadministratoren berücksichtigt. Anwender erhalten abhängig von Benutzerprofilen und ihren Aufgaben individuelle Zugangsrechte. Zu diesem Zweck bietet Lotus LearningSpace die Funktionen Activity Tracking, Reporting, Assessment Manager sowie Role & Enrollment Mangement. Speziell zur Entwicklung eigener Kurse und deren Inhalte offeriert Lotus LearningSpace die Funktionen Course Planner, Content Creation sowie Off-the-Shelf-Courseware.