Pesch, Ulrich: Das virtuelle Büro, Universität Paderborn, Lehr-und Forschungseinheit Wirtschaftsinformatik 2 1998.

THEMES: Pesch, Ulrich
YEAR: 1998
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User: Anonymous


TIME: 1998
 
Das virtueIle Büro

Telearbeit birgt große Chancen für die Zukunft. Auf der Plusseite für den Arbeitnehmer stehen mehr Selbstbestimmung und freie Zeiteinteilung. Arbeitgeber profitieren von besseren Leistungen, intelligenterer Organisation und Kosteneinsparungen. Dennoch ist Telearbeit heute noch die Ausnahme. Welche Chance geben wir der neuen Arbeitsform?

Die Ursprünge der Telearbeit reichen in die frühen Der Jahre zurück. Bereits 1962 dachte das britische Software- und Beratungsunhernehmen FI-Group darüber nach, Programmiererinnen die Heimarbeit zu ermöglichen. In den 70er Jahren machten sich Wissenschaftler im Zuge der ersten Ölkrise Gedanken darüber, wie man den Berufspendlerverkehr durch den Einsatz von Datentransfer reduzieren könnte. Der Forscher Jack Nilles führte dazu 1973 die erste bekanntere Studie durch, woraufhin sich in den USA der Begriff des Telecommuting etablierte. In der Folgezeit bis in die 90er Jahre definierte und lotete man
in Kongressen und Veranstaltungen das Thema Telearbeit aus. So ging es beispielsweise darum, Telearbeitsmodelle in Katastrophenschutzkonzepte einzubinden. Das Ziel: Die Arbeit im Unternehmen sollte auch im Fall von Naturkatastrophen - etwa Erdbeben nicht zusammenbrechen, weil die Mitarbeiter nicht zu ihrem Arbeitsplatz gelangen. Während Telearbeit als neue Arbeitsform rasch in den USA akzeptiert und umgesetzt wurde, schwappte diese Entwicklung erst Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre nach Europa, zunächst nach Großbritannien und von dort aus in andere Länder Europas. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Forschung und Technologie existierten 1981 in Deutschland noch keine auf Informationstechnologie gestützten Heimarbeitsplätze, während in den USA und in Großbritannien bereits die ersten Studien zur Auswertung vorlagen.
Eine eindeutige Begriffsdefinition für Telearbeit hat sich noch nicht durchgesetzt. Deshalb werden allenthalben unterschiedliche Begriffe wie Teleheimarbeit, Teleprocessing, Telecommuting, Telekooperation und andere benutzt.

Babylonische Verwirrung um den Begriff Telearbeit

Gemeint ist dann meistens dasselbe auch wenn dem nicht so ist. Laut Duden stammt der Begriff "Tele" aus dem Griechischen und heißt soviel wie "fern". Deshalb müßte Telearbeit oder Teleworking in der Übersetzung Fernarbeit heißen, was nichts mit dem Arbeiten in der Ferne zu tun hat, wohl aber mit der Arbeit, die nicht dort stattfindet, wo sie in Auftrag gegeben wurde. Eine Definition von Birgit Godehardt, Autorin des 1994 erschienenen Buches "Telearbeit", lautet folgendermaßen: "Der Begriff Telearbeit umfaßt als Oberbegriff zunächst Tätigkeiten, die unterstützt durch Informationsund Kommunikationstechnik räumlich entfernt vom Standort des Arbeits- oder Auftraggebers durchgeführt werden."


Mit moderner Kommunikationstechnik - ob per Modem und Telefonleitung oder Satellitarbeiten Teleworker und ihre Kollegen in der Firma zusammen, als säßen sie sich direkt gegenüber.

Abgesehen von den unterschiedlichsten Ausprägungen des Telearbeitens, das durch die technologische Entwicklung erst seit den letzten Jahren an Fahrt gewinnt, unterscheidet man grundsätzlich zwei verschiedene Formen: die isolierte und die alternierende Telearbeit.


"Wer sich seine Arbeit selbst einteilt, erzielt bessere Arbeitsergebnisse."
Hagen Hultzsch,
Vorstand Technik der Telecom Deutschland

Während der isolierte Telearbeiter seine Tätigkeit ausschließlich außerhalb der Räumlichkeiten des Auftraggebers durchführt, arbeitet der alternierende Telearbeiter in der Regel sowohl (beispielsweise) zu Hause als auch in den Räumlichkeiten des Auftraggebers. Gegenwärtig dominieren in der Telearbeit immer noch die DV-nahen Tätigkeitsbereiche wie zum Beispiel Software-Entwicklung und -Wartung und ähnli
che DV-Dienstleistungen. Vermehrt kommt sie jetzt im Verwaltungs- und Management-Bereich zum Einsatz.

Für wen ist moderne Telearbeit die richtige Lösung?

Die Telearbeit bietet große Chancen für alle: für Unternehmen, Freiberufler, Selbständige, Angestellte, Spezialisten aus den verschiedensten Branchen. Zwar wird der Werker, der in der Fabrik Kühlschrankteile montiert, in den nächsten 100 Jahren sicherlich nicht als Telearbeiter zu Hause Kühlschränke zusammenbauen. Doch von den fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland könnten viele durch die Telearbeit unabhängig vom Arbeits- oder Sozialamt und ihr eigener Chef werden. Unternehmen agieren wettbewerbsorientierter, sie können Spezialisten eher halten, motivierte Arbeitskräfte binden, flexibler auf Arbeitsspitzen reagieren und rascher handeln, indem sie enger mit freiberuflichen und selbstangestellten Spezialisten zusammenarbeiten. Nicht nur das: Muß beispielsweise nicht mehr so viel Bürofläche vorgehalten werden, weil die Angestellten von zu Hause aus arbeiten, macht sich das positiv in der Bilanz bemerkbar. In der Medienbranche beispielsweise sind solche Modelle längst nicht mehr unüblich: Freie Autoren liefern Texte an verschiedene Zeitschriften und Magazine, Layouter arbeiten in ihrem SOHO am PC an einer Zeitung, angestellte Anzeigenverkäufer acquirieren Kunden und Designer entwickeln Grafiken von zu Hause aus, und Drehbücher werden an jedem beliebigen Ort der Welt auf dem Notebook geschrieben, um dann per Datenfernübertragung an die Produktionsgesellschaft oder den Verlag weitergeleitet zu werden.


Viele Unternehmen haben Telearbeit noch nicht eingeführt, weil sie sich davon keine Effizienzsteigerung versprechen. An eine Erhöhung der Flexibilität durch Telearbeit glauben jedoch alle Befragten.

"In Deutschland werden bis zum Jahr 2000 circa 600.000 Menschen zu Hause arbeiten."
Joachim Rissmann, Geschäftsführer Intel

Befragen Sie einen angestellten Telearbeiter, was er an dieser Form des Arbeitens am meisten schätzt, dann wird er Ihnen den relativ großen Freiraum zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung an erster Stelle nennen. Denn sind Ziele vorgegeben, läßt sich die Arbeit, bis auf einige Anrufe, die zu normalen Bürozeiten getätigt werden müssen, individuell aufteilen. Wer gerne nachts arbeitet, kann sich mehr um die Familie kümmern oder einfach mal zwischendurch Besorgungen erledigen. Ein weiterer Vorteil: Wer nicht mehr morgens und abends zum Büro und wieder zurück fahren muß, hat mehr vom Tag. Auch wenn die meisten Chefs noch ein Problem damit haben, ihre Mitarbeiter nicht mehr so gut kontrollieren zu können, so belegen doch Studien, daß die Produktivität des Telearbeiters um bis zu 30% steigen kann. Es gilt also, neue Formen der Aufgaben- und Arbeitsstrukturierung zu finden und das Management nach Zielvorgaben (MBO, Management by Objectives) im Unternehmen einzuführen.

Telearbeit - Chancen und Perspektiven

Telearbeit hat beste Chancen, zum Wort des Jahres 1997 auserkoren zu werden. Sie bewegt nahezu jeden, weil die meisten darin die Chance und die Grundlage für den Schritt ins nächste Jahrtausend sehen. Einige der bedeutendsten Persönlichkeiten in Deutschlands Informations-und Telekommunikationsbranche stellen in teleworx ihre Sicht zu den Chancen und Perspektiven derTelearbeit vor.

Joachim Rissmann, Geschäftsführer Intel GmbH
Nach Telefon und Fax sind jetzt E-Mail und PC-Videokonferenzsysteme die Standards, die den Wettbewerb in Zukunft entscheiden werden. Sie ermöglichen Mitarbeitern, von jedem Platz in der Welt -aus zu arbeiten. In Deutschland werden zum Jahr 2000 circa 600.000 Menschen von zu Hause aus arbeiten, eine Arbeitsform, die neue Chancen eröffnet: Nähe zum Kunden, flexible Zeiteinteilung, Integration in den Familienalltag, geringeres Verkehrsaufkommen, Entlastung der Umwelt, weniger Bürogebäude. Die deutsche Wirtschaft könnte von dieser neuen Flexibilität erheblich profitieren, nicht zuletzt durch die Integration von Mitarbeitern, die weiterhin teilzeitarbeiten möchten. In den USA arbeiten über 7 Millionen Arbeitnehmer von zu Hause aus; die deutsche Wirtschaft entdeckt diesen Trend erst jetzt.
Bei der Intel GmbH arbeitet seit über 3 Jahren der gesamte Vertrieb von zu Hause aus, ein Experiment, das zur Dauereinrichtung wurde. Unsere Mitarbeiter sind begeistert, keiner wollte wieder zurück ins Büro. Freie Zeiteinteilung und grölßere Flexibilität sind die wichtigsten Vorteile, die immer wieder hervorgehoben werden. Natürlich erfordert Teleworking ein Umdenken im Management wie bei den Mitarbeitern. Wer aber Technologien wie z.B. das PC-Videokonferenzsystem ProShare benutzt, kann unkompliziert jede(n) Mitarbeiter/in ins Unternehmen integrieren.

Dr. Dietrich Botsch, Vorsitzender des Bereichsvorstands Private Kommunikationssysteme bei der Siemens AG
Die Globalisierung der Märkte und der weltweite Wandel zur Informationsgesellschaft führen zu neuem Leistungswettbewerb. Millionen Arbeitsplätze werden sich so umfassend und tiefgreifend verändern wie nie zuvor. Die Telekommunikation ist Motor des Wandels und stellt gleichzeitig die Mittel bereit, ihn für alle vorteilhaft zu gestalten. Das Büro bleibt Inbegriff des modernen Arbeitsplatzes. Ändern wird sich jedoch das, was in Zukunft darunter zu verstehen ist. Denn "Büro" wird nicht mehr eine bestimmte Räumlichkeit, sondern jeder beliebige Ort der Leistungserstellung sein - also nicht nur das "Home Office". Insofern wird schon heute besser vom "Virtual Office" gesprochen.
Die "Teleworker zu Hause" ebenso wie die Mobilworker" unterwegs erwarten zukunftsweisende Anwenderlösungen mit möglichst der gleichen Benutzeroberfläche wie im Büro. Unser Kommunikationskonzept für Telearbeit garantiert netzunabhängige Erreichbarkeit, integriert die Leistungen fortschrittlicher Kommunikationstechnologie und ist offen für praktisch alle DV-Plattformen und Multimedia-Anwendungen. Unser Ziel ist klar: Jeder Teleworker soll über die Infrastruktur verfügen können, mit der er seine Aufgaben produktiv, d.h. einfach, komfortabel und effektiv erfüllen kann. Wirtschaftlichkeit und Sicherheit stehen dabei im Vordergrund. Wir setzen bei der Telearbeit auf anpassungs- und ausbaufähige Technik, berücksichtigen die vorhandene Kundeninfrastruktur und sind offen für neue Nutzerprofile und Anwendungen. Wir arbeiten an der Integration zukünftiger Übertragungs- und Netztechniken ebenso wie an innovativen Endgeräten, die auch der Telearbeit neue Chancen und Perspektiven eröffnen.

Dr. Hagen Hultzsch, Vorstand Technik Dienste der Deutschen Telekom AG
Wenn wir die Leistungsfähigkeit des Standortes Deutschland erhalten wollen, kommt der Telearbeit enorme Bedeutung zu. Der zunehmende globale Wettbewerb zwingt Unternehmen, mit neuen Formen der Arbeit zu experimentieren. Hier eröffnet Telearbeit völlig neue Chancen für die Effizienzsteigerung in der Arbeitswelt.
Die Telearbeit kommt jedoch nicht nur den Wünschen der Unternehmen nach mehr Beweglichkeit entgegen, sondern auch den Bedürfnissen der Mitarbeiter. Das häusliche Arbeitszimmer lädt sich per ISDN multimedial mit der Firma verbinden. Motivierte Mitarbeiter, die sich ihre Arbeit selbst einteilen, erzielen in der Regel bessere Arbeitsergebnisse. Zudem kann durch intelligentere Organisation ein Teil der Kosten für Büroräume eingespart werden. Und wenn an zwei Tagen der Woche der Weg ins Büro entfällt, dann kommt der Zeitgewinn sowohl dem Arbeitnehmer und seiner Familie als auch dem Unternehmen zugute. Von den ökologischen Vorteilen der Telearbeit einmal ganz zu schweigen.
Nicht nur die Deutsche Telekom ist deshalb von der Zukunftsbedeutung von Telearbeit überzeugt. Experten erwarten durch die Telearbeit positive Arbeitsmarktsignale. Die technischen Voraussetzungen sind vorhanden. Die Deutsche Telekom hat sie geschaffen: Unser digitales ISDN ist heute die bestausgebaute Infobahn der Welt, es steht flächendeckend zur Verfügung. Hinzu kommt das digitale Mobilfunknetz D1 sowie unser Online-Dienst T-Online, und die nächsten technologischen Quantensprünge stehen kurz vor der Realisierung. Mit dem großflächigen Einsatz von ATM-Übertragungstechnik und der Einführung innovativer xDSL-Zugangstechniken steht in naher Zukunft genügend Bandbreite auch für hochwertige multimediale Dienste zur Verfugung. Dies alles eröffnet für die Telarbeit fast unbegrenzte Möglichkeiten. Wir müssen sie nur nutzen.

Bernhard Jagoda, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit
Schon seit mehr als zehn Jahren wird in Deutschland über die Chancen von Telearbeit diskutiert. Ebenso lange nennen die Propheten des Informationszeitalters die unterschiedlichsten Prognosen zum Telearbeitsplatz-Potential. So ergab eine Umfrage von 1994 ein Potential von drei Millionen Telearbeitsplätzen in Deutschland, tatsächlich realisiert wurden bisher etwa 150.000 Plätze.
Telearbeit bringt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Vorteile. Der Arbeitgeber kann die Kosten für teure Büroräume reduzieren und sich qualifizierte Mitarbeiter erhalten. Er kann besser auf schwankende Arbeitslasten reagieren, kann Arbeiten auf selbständige Auftragnehmer auslagern und so die Kosten senken. Für den Telearbeiter eröffnet sich unter anderem die Möglichkeit, seine persönliche Leistungskurve besser zu nutzen und Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Die Umwelt wird durch Verlagerung des Berufsverkehrs von den Straßennetzen auf die Datennetze entsprechend entlastet. Telearbeitszentren in strukturschwachen, ländlich geprägten Gegenden können zur Ausgewogenheit der Siedlungsstruktur zwischen Stadt und Land beitragen.
Allerdings darf man die Nachteile von Telearbeit nicht unterschätzen. Viele Arbeitnehmer befürchten, daß Telearbeit zu Isolation und Benachteiligung führen kann. Hinzu kommt, daß die rechtliche Stellung des Telearbeiters noch ungeklärt ist. Viele arbeits- und betriebsverfassungsrechtliche Fragen der Telearbeit sind umstritten und werden zum Teil noch nicht einmal diskutiert. Eines jedoch scheint sicher: Für die Zukunft wird Telearbeit in Deutschland eine wachsende Rolle spielen. Sie wird jedoch nur in bestimmten Bereichen realisierbar sein.

Fritz Fleischmann, Geschäftsführer Lotus Development
Unsere Branche, die Informationstechnologie, ist wie viele andere Branchen einem schnellen Wandel unterworfen. Danach muß sich auch die Personalpolitik ausrichten und den Mitarbeitern innovative Konzepte anbieten. Für unsere hochqualifizierten Mitarbeiter ist es weniger wichtig, daß ihnen ein Unternehmen einen Job fürs Leben anbietet, sondern daß sie sich frei entfalten und ihr fachliches Know-how ausbauen und weiterentwickeln können. Eine Möglichkeit, die den Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern entspricht, ist die Telearbeit. Über zehn Prozent unserer Mitarbeiter haben ein Home Office-Tendenz steigend.
Aus meiner Erfahrung kann dieses Konzept jedoch nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn dem Hierarchiedenken in den Unternehmen der Kampf angesagt wird und Abstimmungsprozesse optimiert werden. Wenn Mitarbeiter per Datenleitung mit dem Unternehmen verbunden sind, ist es um so wichtiger, daß der Informationsaustausch reibungslos funktioniert und die Teleworker in die Unternehmensabläufe eingebunden sind.
Vielleicht ist das der Grund dafür, daß Deutschland in Sachen Telearbeit noch Entwicklungsland ist. Denn der Verlust von Führungskompetenz und die Angst, Einfluß zu verlieren, ist bei vielen Managern noch sehr ausgeprägt. Schließlich werden die bisherigen Pfeiler des Arbeitslebens - nämlich Arbeitsort und Arbeitszeit - in Frage gestellt. Auch die hohen Leitungskosten in Deutschland werden oft als Argument gegen Telearbeitsplätze genannt. Und aus Sicht vieler Unternehmen sind Tätigkeitsbereiche wie Konstruktion, Produktplanung und Forschung nicht telearbeitsfahig. Daß sie es doch sind, belegen die Erfahrungen mit hausinternen Netzen, den sogenannten Intranets.
Tele-Arbeit erfordert jede Menge Selbstdisziplin.

Doch alles hat seinen Preis: Mehr Freiheit verlangt nach Selbstdisziplin, der Fähigkeit zur Eigenverantwortlichkeit und zum Selbstmanagement. Ohne diese Eigenschaften geht der Telearbeiter baden. Denn Telearbeit funktioniert nicht nach dem Lust-und-Laune-Prinzip. Darauf sollte auch der Arbeitgeber achten, wenn er seinen Mitarbeitern (und sich selbst!) neue Freiheiten gibt. Er sollte sie einschätzen können und auf die Eigenorganisationsfähigkeit seiner Leute vertrauen. Programme, durch die der künftige Telearbeiter auf die veränderten Bedingungen vorbereitet wird, sind deshalb dringend anzuraten (siehe Seite 20).


Steiler Anstieg: Laut Sharp wird die Zahl der Heimarbeiter in den kommenden Jahren stark ansteigen - vor allem aufgrund verbesserter Telekommunikationsmöglichkeiten.

Den Zeigefinger erheben die Kritiker der Telearbeit immer wieder, wenn sie die Vereinsamung der Telearbeiter anmahnen, denen jetzt die soziale Interaktion, der direkte Kontakt mit den Kollegen in der Kaffeeküche fehle. Dem könnte ein Telearbeitsmodell vorbeugen, bei dem sich die Mitarbeiter regelmäßig zum Coaching im Unternehmen treffen. Schenkt man Werner Zorn, Projektleiter Telearbeit bei IBM Deutschland, Glauben, dann hat bisher noch kein Mitarbeiter den Wunsch geäußert, wieder im Büro arbeiten zu wollen. Wichtig sind vor allem die Rahmenbedingungen, die Telearbeit erst ermöglichen. Hier geht es um die Einsatzbereiche, um arbeits- und vertragsrechtliche Aspekte, die geeignete Arbeitsplatzausstattung, steuerliche und andere Fragen, die vorher geklärt sein müssen (siehe Seite 54). Unternehmen, die in Deutschland Telearbeit - meist mit Modellcharaktereinführen, orientieren sich an der Betriebsvereinbarung der IBM von 1991 und 1995. In ihr sind alle Details festgehalten, von den Arbeitszeiten über die Art und Weise der Leistungserbringung bis zum Urlaub und der Rückkehrmöglichkeit zum Arbeitsplatz im Büro.

"Wir müssen uns vom "nine-to-five"-Denken verabschieden."
Andreas Zeitler, Geschäftsführer Novell

Ebenso muß sichergestellt sein, daß vertrauliche Daten nicht von Unbefugten einsehbar sind oder von Viren - einer zunehmenden und nicht zu unterschätzenden Gefahr - bedroht werden (siehe auch Seite 54).

(1 S.) Veranstaltungstermine

Wer zahlt die Kosten für den Telearbeitsplatz?

Die Kosten für Telekommunikation und die Einrichtung des Arbeitsplatzes zu Hause gehen schnell in den fünfstelligen Bereich (siehe auch Seite 28). Darf der Mitarbeiter auf dem von der Firma zur Verfügung gestellten PC auch private Programme installieren? Oder wie steht es mit dem Zutrittsrecht des Arbeitgebers in die Wohnung des Telearbeiters, wie wird dies steuerlich gehandhabt? Diese Fragen werden in Deutschland erörtert und geklärt, bevor sich ein Unternehmen der Telearbeit anvertraut. In den USA besteht dieser starke Regulierungsbedarf offensichtlich nicht in dem Maß, was den Beteiligten mehr Spielraum läßt.

Mehr persönlichere Kontakte
Jungunternehmerin Barbara Czech (27), Inhaberin der PR- und Werbeagentur TWO POINT SEVEN in Feucht bei Nürnberg, über die Vorteile von Telearbeit
und moderner Kommunikation:

" Effektive Agenturarbeit kann nur auf optimaler Kommunikationsbasis geleistet werden. Das gilt nicht nur für die Zusammenarbeit mit den Kunden, sondern auch für die interne Projektabwicklung. Ich benutze den Armada Cruiser 100, ein Desktop-Videokonferenzsystem von IPC. Das Herzstück bildet das Cruiser-1 00-Board mit integrierter ISDN-Schnittstelle. Dazu benötigt man nur einen normalen Steckplatz im PC. Klar, daß ich einen ISDN-Anschluß habe. Digitalkamera, Telefonhörer, Meeting Point Software, Handbuch und Kabel-Set mit Adapter sind im Lieferumfang enthalten. Nach dem "Plug & Play - Prinzip" ist die Installation auch für Nicht-Techniker wie mich schnell durchgeführt. Das System erfüllt den H.320-Standard und kann daher problemlos mit kompatiblen Systemen anderer Hersteller kommunizieren. Die Kombination von Bild, Sprache und Daten stellt eine engere und persönlichere Verbindung zwischen den Gesprächspartnern her. Der gemeinsame Zugriff auf Anwendungen und Dateien (das sogenannte Application Sharing) ermöglicht es, in Teamwork Dokumente zu erstellen und auch online zu bearbeiten. Das spart viel Zeit und beugt Mißerständnissen vor Mit Hilfe des virtuellen Skizzenblocks können alle Gesprächsteilnehmer während des Dialoges in einer Meeting-Session interaktiv Skizzen, Zeichnungen, Scribbles und Notizen in die Diskussion einfließen lassen.
Per Mausklick können noch während einer Konferenz die benötigten Daten transferiert werden. Uns war es besonders wichtig, ständig in persönlichem Kontakt mit unseren Kunden zu stehen, ohne an geographische Grenzen zu stoßen. Die Anschaffungskosten von rund 3.000 Mark haben sich durch die enorme Zeitersparnis längst verdient gemacht.Und wenn ich mal unterwegs bin, dann leistet mir ein chicer Notebook gute Dienste. Über ein Datacard und Handy kann ich aus dem Auto und von überall unterwegs aus meine Mails abrufen und sogar Kontakt zu meinem Bürorechner aufnehmen, falls ich vor einem wichtigen Termin die entscheidende Kalkulation vergessen habe."
E Mall: bczech27@aol.com
Für den selbständigen Telearbeiter, der Dienstleister mit eigener Einnahmen-/Überschußrechnung oder Buchhaltung ist, stellen sich diese Fragen weniger. Für ihn ist es nur wichtig, daß er seine Leistung gut verkaufen kann. Und da nicht jeder auch wenn er oder sie eine Kapazität in seinem/ihrem Bereich istsich gut verkaufen kann, bieten sich Unternehmen, die wie Pilze aus dem Boden schießen, an, den Spezialisten
diese Arbeit abzunehmen. Eine Telearbeitskultur kann sich aber erst entwickeln, wenn Telearbeit wirklich stattfindet. Deshalb geht es primär darum, erst einmal zu beginnen, bevor alles zu sehr ver-organisiert ist.

Potentiale im eigenen
Unternehmen erkennen

Vielfach verunsichert durch die Diskussion um globales Wirtschaften und den Ruf nach neuen Arbeitsformen, sind es gerade die kleineren und mittleren Unternehmen mit 20 bis 1.500 oder 2.000 Beschäftigten, denen heute besonders viel Flexibilität und Anpassungsfähigkeit abverlangt wird. Häufig erkennen sie aber nicht einmal das Potential, das sie durch die Einführung flexiblerer Organisationsund Arbeitsstrukturen realisieren könnten. Leider fehlt auch oft das nötige Kleingeld, um einem Berater mal eben 30 oder 40.000 Mark für eine Strukturund Potentialanalyse des Unternehmens zu zahlen. Es gibt einige Kriterien, anhand derer das Unternehmen selbst erkennen und prüfen kann, ob der Einsatz von Telearbeit überhaupt sinnvoll ist. Die nachfolgenden Beispiele zeigen einige wichtige Ansätze: Expandierende Unternehmen sollten sich überlegen, ob Telearbeit eine Alternative zur Anmietung neuer Räumlichkeiten oder dem Neubeziehungsweise Anbau eigener Bürogebäude sein kann. Denn durch Telearbeit können insbesonders Firmen in teurer Citylage oder mit Außendienstlern, die zwar einen festen Schreibtisch haben, aber nur selten anwesend sind, einen nicht unerheblichen Teil der Büroraumkosten und zusätzlich Kosten für Büromöbel und Gemeinkosten einsparen und/oder reduzieren. Und im Vergleich zu Büroumgebungen mit großem Störungsund Ablenkungspotential -zum Beispiel Großraumbüros - kann der Telearbeitsplatz zu Hause aufgrund der ruhigeren Arbeitsatmosphäre merklich die Produktivität und Kreativität des Mitarbeiters steigern. Das trägt gleichfalls zur Senkung von Fehlzeiten bei.

"Telearbeit wird eine von vielen selbstverständlichen Arbeitsformen sein."
Norbert Kordey,
Leiter Telematik bei der empirica GmbH, Bonn

TELEARBEIT- PRO ODER CONTRA?

Welche Potentiale deutsche Unternehmer in derTelearbeit sehen, untersucht eine neue Studie der Wirtschaftswoche und der Universität Witten/Herdecke.

" Mittlerweile existieren mehr Studien zum Thema Telearbeit, als es Telearbeiter gibt", behauptet eine spöttelnde Bemerkung, die immer wieder in der Branche kursiert. Jetzt verspricht eine neue Studie der Wissenschaftler Eric Kaleja und Matthias Meyer, etwas Licht ins Dunkel zu bringen: eine Unternehmensbefragung zum Thema Telearbeit, die von Mitarbeitern der Universität Witten/Herdecke durchgeführt und von der Kölner Zeitschrift Wirtschaftswoche veröffentlicht wurde.
Telearbeits-Avantgarde: die Chemie- und Pharma-Branche
Im Juli 1996 wurden 280 Unternehmen unterschiedlicher Größe ab einem Jahresumsatz von 2 Millionen Mark aus neun Branchen befragt. 173 Unternehmen beantworteten die 14 Fragen ausreichend vollständig, so daß diese Anzahl als Basis für die Aussagen dient. Bei 45 (26 %) der 173 erfaßten Unternehmen wird Telearbeit Übrigens bereits durchgeführt.
Hier nur einige Ergebnisse Knapp drei Viertel aller Unternehmen, in denen bereits Entscheidungsträger mit Telearbeitserfahrung sitzen, sehen in der Telearbeit ein großes Potential für Unternehmen. Während die Chemie- und Pharma-Branche anderen Branchen bei der Realisierung der Telearbeit weit voraus ist, stellt Telearbeit für Verkehrs- und Verkehrsdienstleister offensichtlich noch gar kein Thema dar. Die wichtigsten Hinderungsgründe: Die Einführung von Tele-Work scheitert meistens an der vermeintlichen Unvereinbarkeit mit den Tätigkeitsfeldern im Unternehmen, und zwar gilt das durchgehend in allen Branchen. Am meisten Probleme haben damit Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern. Die Telekommunikationskosten, die oft als stärkster Hemmschuh genannt werden, rangieren wider Erwarten erst an zweiter Stelle. An der Klärung rechtlicher Rahmenbedingungen zeigen lediglich Banken und Versicherungen starkes Interesse, in Großunternehmen sieht man hier keinerlei Regelungsbedarf.
In keiner Branche existieren schwerwiegende Bedenken hinsichtlich der Flexibilität der Mitarbeiter oder gar hinsichtlich der technischen Umsetzbarkeit. Selbst die fehlende Kontrolle der Mitarbeiter stellt offensichtlich kein größeres Problem dar. Wurde die Frage nach den Vorteilen der Telearbeit gestellt, steht die erhöhte Flexibilität sogar an erster Stelle.

Die komplette Untersuchung kann zum Preis von 150 Mark zuzüglich Versandkosten beim Wirtschaftswoche Leserservice unter der
Faxnummer 09 11-53 25-4 25 bestellt werden.
Überdies können soziale Aspekte ein Grund dafür sein, Mitarbeitern, die große Entfernungen zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zurücklegen müssen und die gegebenenfalls pflegebedürftige Angehörige oder zu betreuende Kinder haben, entgegenzukommen, indem sie vorwiegend von zu Hause aus für das Unternehmen tätig sind, was gleichzeitig deren Arbeitsmotivation fördert. Häufig geht durch den Erziehungsurlaub eines Elternteils kurzund mittelfristig erhebliches Know-how verloren. Deshalb sollte man im Unternehmen durchaus darüber nachdenken, Mütter oder Väter im Erziehungsurlaub voll oder wenigstens als Teilzeitkraft weiterzubeschäftigen. Bewährte Mitarbeiter können durch flexible, arbeitnehmerfreundliche Regelungen im Hinblick auf Arbeitsort und -zeit eher gehalten und qualifizierte Arbeitskräfte auf diese Weise für das Unternehmen rekrutiert werden. Auch zu Arbeitskräften mit Qualifikationen, die in der Region nicht oder anderswo preisgünstiger zur Verfügung stehen, erhält ein Unternehmen dank Telearbeit Zugang. Ein Konstrukteur, der von Köln aus für seine Firma mit Sitz in München arbeitet, kann auf diese Weise weiterhin an seinem Heimatort wohnen bleiben. Gleiches gilt für Unternehmen, die ihren Standort verlagern bzw. Zweigstellen auflösen: Mittels Telearbeit können bewährte, aber nicht umzugswillige Mitarbeiter weiterbeschäftigt bleiben.


Die Nutzung von Videokonferenztechnik gilt als wichtiger Bestandteil in jenen Unternehmen, in denen bereits telegearbeitet wird. Die anderen Unternehmen sehen noch kaum Nutzen im Videokonferenzen.

Ein weiterer Punkt, insbesondere für stark dienstleistungsorientierte Unternehmen interessant: Durch die Ausweitung der Geschäftszeiten über die Regelarbeitszeit hinaus, beispielsweise für Hotline oder Bestellannahme, kann der Einsatz der Telearbeit sowohl Dienstleistungsangebot wie auch Servicequalität eines Unternehmens erheblich verbessern. Und im Rahmen saisonaler Schwankungen oder Spitzenlastzeiten, etwa im Projektbereich, können Arbeiten wie Übersetzungen, Grafik-, Textoder Datenerfassung, für die keine volle Arbeitskraft dauerhaft benötigt wird, an freiberufliche Telearbeiter abgegeben und dadurch Personalund Arbeitsplatzkosten eingespart werden. Und die Bereitstellung tragbarer Rechner und mobiler Kommunikationsgeräte versetzt Mitarbeiter, die viel geschäftlich unterwegs sind, in die Lage, ortsunabhängiger für das Unternehmen tätig zu sein, Leerzeiten auf Reisen zu überbrücken undanstatt abends länger im Büro zu sitzen - zu Hause weiterzuarbeiten.

"Künftige Generationen leiden, wenn die auf dem PC basierenden Technologien nicht gefördert werden."
Andrew S. Grove, CEO Intel Database 'WI2 IN Infos & News', View 'Berichte', Document 'Why Andy Grove Can't Stop'

T E L E - TA L K B E I D E R D E U T S C H E N B A N K
Premiere hinter den Bankschaltern: Die Deutsche Bank nimmt jetzt weltweit für ihre Mitarbeiter das neue Kommunikationssystem DB-Office in Betrieb.

Ein hochmodernes Kommunikationssystem soll die Mitarbeiter der Deutschen Bank weltweit miteinander vernetzen, den Kunden ein vielseitigeres Angebot präsentieren und könnte gleichzeitig die Grundlage für künftige Tele-Arbeitsprojekte sein.
Wenn die Bankfiliale an der Ecke um vier Uhr das Eisengitter vor der Tür herunterläßt, öffnen die Wallstreet und andere internationale Börsen jenseits des Atlantiks gerade ihre Pforten. Um aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch weltweite Anbieter von Bankdienstleistungen den Anschluß nicht zu verlieren, setzen hiesige Großbanken auf modernste Software-Losungen. Ein Paradebeispiel ist die Deutsche Bank, die im Rahmen eines über mehrere Jahre laufenden Großprojekts ein weltweites, aus 1.600 Filialen bestehendes Netz geknüpft hat. Drei Ziele soll das ehrgeizige Projekt, das in mehreren Phasen zum größten Teil bereits realisiert wurde, verwirklichen: eine effektivere und direktere Kommunikation der Mitarbeiter, die nahtlose Einbindung bereits vorhandener Datensysteme und eine Kundenbetreuung, die auch vor kontinentalen Grenzen nicht halt macht.

Die Bänker kommunizieren weltweit mit Lotus Notes

Das erste Ziel wurde im Rahmen eines Teilprojekts mit dem Namen DB-Office bereits realisiert. Bei DB-Office handelt es sich um ein weltweites Bürosystem, mit dem beispielsweise ein Mitarbeiter der Hauptniederlassung in Frankfurt nicht nur mit seinen Kollegen vor Ort, sondern weltweit Informationen
austauschen kann. DB-Office basiert auf dem Software Produkt Notes der Firma Lotus, der zur Zeit führenden Groupware-Anwendung im PC-Bereich.
DB-Office ist weit mehr als ein simples E-Mail-System. Die Mitarbeiter können sich über Neuigkeiten im Haus informieren, Rundschreiben versenden, ältere Mitteilungen einsehen oder bei technischen Problemen den Helpdesk-Service in Anspruch nehmen. Den Planern kam es vor allem auch darauf an, den Mitarbeitern eine einfach aufgebaute, optisch attraktive und vor allem an gängige PC-Anwendungen angelehnte Benutzeroberfläche zur Verfugung zu stellen, um die Akzeptanz des neuen Mediums zu erhöhen und den Schulungsaufwand zu reduzieren.
Das zweite Ziel des Projekts ist es, die bereits vorhandenen Hardware-Plattformen miteinander zu vernetzen und die in Betrieb befindlichen Server in das neue Kommunikationssystem mit einzubeziehen. Diese Maßnahme soll die teure Konvertierung der Unternehmensdaten überflüssig machen. Auch will man so verhindern, daß eine Zwei-Klassengesellschaft der Informationssysteme entsteht, in der alte und neue Systeme nicht zueinander kompatibel sind; denn das stört die Kommunikationsstruktur und verursacht Kosten.
Das dritte Ziel, das mit der neuen Kommunikationsplattform angestrebt werden soll, ist die Vernetzung der Geschäftsvorfälle. Ein Beispiel: Der Kunde der Deutschen Bank, der eine Niederlassung in Kalkutta eröffnen will, möchte vor Ort genauso kompetent beraten werden wie zu Hause. Außerdem erwartet er, daß ihn sein Banker in Frankfurt über die besonderen Gegebenheiten in Indien, die dortigen Steuersysteme etwa, informieren kann. So profitieren auch Geschäftskunden vom weltweiten Teamworking der Banker, auch wenn die Kommunikationsplattform ausschließlich für die Mitarbeiter der Bank konzipiert wurde.
Mit Telearbeit, also der Einrichtung von Heimarbeitsplätzen, hat das Projekt der Deutschen Bank offiziell zwar noch nichts zu tun. Dennoch macht ein auf DB-Office basierender Arbeitsplatz seinen Nutzer unabhängig von einem Standort. Sollten bei der Deutschen Bank AG eines Tages Telearbeitsplane anstehen, wären die technischen Voraussetzungen für eine Umsetzung bereits geschaffen.
Um auf die Anforderungen eines sich im Umbruch befindlichen Marktes flexibel reagieren zu können, hat die Deutsche Bank vor allem in Asien ihr Engagement erheblich ausgebaut. Insgesamt besitzt die Bank im asiatisch-pazifischen Raum mehr als 70 operative Einheiten in 18 Ländern mit über 5.000 Beschäftigten. Mit einem eingesetzten Kapital von über 2,5 Milliarden Mark ist die Deutsche Bank der mit Abstand größte deutsche Investor in dieser Region. Für eine effektive Kommunikation und das virtuelle Zusammenwachsen dieser weltweiten Einheiten ist das neue Kommunikationssystem eine unabdingbare Voraussetzung.
Peter Monadiemi

"Millionen Arbeitsplätze verändern sich wie nie zuvor."
Dr. Dietrich Botsch,
Vorstandsvorsitzender Siemens
Private Kommunikationssysteme
V E R K E H R S E N T W I C K L U N G DURCH TELEARBEIT

Welche positiven Auswirkungen die Telearbeit auf die Entwicklung von Städten und Regionen hat, erläutert Holger Floeting vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin.

Obwohl die Zahl der Telearbeitsplätze in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist, kann man bisher nicht von einer umfassenden Verbreitung dieser Arbeitsform sprechen. Daß Telearbeit in den unterschiedlichsten Formen aber weiter an Bedeutung gewinnen wird, ist sicher. Neben den Effekten der Telearbeit für Wachstum und Beschäftigung werden in letzter Zeit vermehrt die Auswirkungen auf die Raum- und Verkehrsentwicklung diskutiert. Es gibt eine Reihe unternehmerischer Ansätze (zum Beispiel bei IBM oder ABB) für einen sparsamen Umgang mit Büroflächen im Rahmen von Verschlankungskonzepten, neuen Arbeitszeitmodellen und dem verstärkten Einsatz von Telearbeit. Zur Zeit gibt es jedoch mehr ungeklärte Fragen als verläßliche Antworten - gerade, was die langfristigen Entwicklungen betrifft.
Wie wurde sich eine weite Verbreitung von Telearbeit und anderen Teleaktivitäten (Teleshopping, -banking, -education usw.) auf die Entwicklung der Siedlungsstruktur auswirken? Die zentralen Funktionen der Innenstadt als Arbeits- und Dienstleistungsort könnten an Bedeutung verlieren. Wenn Wohnen und Arbeiten räumlich enger zusammenrücken, könnten Stadtteilzentren wichtige Funktionen übernehmen. Durch die Verlagerung von Aktivitäten in den häuslichen Bereich würden entsprechend weniger Menschen im öffentlichen Raum verkehren.
Wie entwickelt sich der
Satellitenbüros in den Vororten oder eines größeren Wohnflächenbedarfs für Telearbeit zu Hause. Die Struktur der Büroflächen könnte sich durch einen verringerten Bedarf an Backoffice-Flächen (zum Beispiel Lager-, Verkehrs-oder Sanitärflächen) deutlich verändern.
Wird der ländliche Raum gestärkt oder profitieren nur die Verdichtungsräume von Telearbeit? Nach allen Erfahrungen kann Telearbeit kaum eine Trendwende bewirken, sie wirkt vielmehr trendverstärkend. Wie entwickelt sich der Berufspendelverkehr? Klassische Wegemuster (radial von den Wohngebieten an den Stadträndern in die Bürogebiete der Innenstädte) könnten gegenüber tangentialen Wegen (zwischen den Vororten) weiter an Bedeutung verlieren - mit Folgen für den auf Massenbeförderung ausgelegten, schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr.
Insgesamt steigen die Erwartungen in den Einsatz von Telekommunikation in dem Maße, wie die Verkehrszuwächse zu immer stärkeren Behinderungen insbesondere im Wirtschaftsverkehr führen. Wie sich eine weite Verbreitung der Telearbeit insgesamt in Veränderungen der Wegemuster ausdrücken würde, läßt sich allerdings nur erahnen. Das Leitbild vom verkehrsfreien Telependeln jedenfalls erscheint unrealistisch. Neuere Untersuchungen setzen ein Substitutionspotential von 10 bis 20 Prozent des Verkehrsaufwands für bestimmte Verkehrsarten als Höchstgrenze an. Das gesamte Einsparungspotential wird danach auf rund 8 Prozent des Personenverkehrsaufwands geschätzt. Den weiteren Anstieg des Verkehrsaufwands kann die stärkere Nutzung von Telekommunikation kaum verhindern, aber sie kann, unter günstigen Rahmenbedingungen, die Spitzen des Verkehrswachstums kappen. Selbst wenn nur eine Dämpfung der gravierendsten Verkehrsbelastungen in den Verdichtunsgräumen möglich wäre, lohnen sich die Initiativen zugunsten der Telearbeit.
Satellitenbüros bzw. Telehäuser sind autarke, vom Hauptgebäude regional getrennte Büroräumlichkeiten für eine Gruppe von Telearbeitern. Der Zweck ist eine Verlagerung der Arbeit in Vororte bei gleichzehiger Erhaltung der sozialen Kontakte.

Ähnliche Vorteile gelten für serviceorientierte Unternehmen: Mittels Telewartung, die die Anfahrt von Technikern überflüssig macht, lassen sich beispielsweise Reaktions- und Durchlaufzeiten verringern. Nicht zuletzt kann die eigene Erfahrung mit Telearbeit ganz neue Ertragsquellen öffnen, denn sie sind eine gute Basis, um später selbst im Markt als Anbieter von Geräten, Software oder Beratungsdienstleistungen aufzutreten. In bestimmten Branchen (z.B. Werbung, Unternehmensberatung) kann der Einsatz der Telearbeit zudem als integraler Bestandteil von Selbstdarstellungskonzepten funktionalisiert werden und zur Imageverbesserung beitragen. Last but not least hilft der Einsatz der Telearbeit bei der Verwirklichung von Unternehmenszielen, beispielsweise im Rahmen von Verbesserungen im Management durch die Anwendung ergebnisorientierter Führungstechniken (MBO, Management by Objectives) und den Abbau überflüssiger Hierarchien. Es gibt eine Flut von Ansatzpunkten für den Einsatz von Telearbeit und Potentiale im Unternehmen, die derzeit noch brachliegen.

Ulrich Pesch


Der Autor Ulrich Pesch arbeitete im Anschluß an eine mehrjährige Projekt-Tätigkeit in der deutschen Raumfahrt einige Jahre als Fachredakteur einer renommierten Computerzeitschrift. Seit vier Jahren ist er als engagierter Projektleiter, PR- und Unternehmensberater sowie als Fach- und CD-ROM-Drehbuchautor tätig. Sein großes Engagement gilt den Themenbereichen CD-ROM, Videoconferencing und Telearbeit. Pesch lebt als freier Teleworker nahe München.
(75162.2567@compuserve.com)