ADMIN 2002: Management Summary und Q&A der Plenumvorträge, Groupware Magazin, München 2002.

THEMES: ADMIN 2002
META STRUCTURES: Lotus\...\SSO
YEAR: 2002
 

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How Trends In Web App Development Affect SysAdmins/
Wie Trends in der Entwicklung von Web-Applikationen sich auf Systemadministratoren auswirken
Bob Balaban

Wir arbeiten derzeit an verteilten Web-Anwendungen, bei denen einerseits die Komplexität signifikant erhöht wird, für Entwickler (z.B. weit mehr Code notwendig) wie auch für Administratoren (u.a. komplexere Konfigurationen). Andererseits kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon die Rede sein, dass die Benutzerschnittstellen für Web-basierte Anwendungen mit denen von Desktop-Anwendungen konkurrieren können. Bei beiden angeführten Trends werden neue Tools prinzipiell Erleichterung bringen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass diese mit der schnellen Entwicklung neuer Technologien Schritt halten können. Darüberhinaus: Wenn die nun einmal vorhandene und zudem weiter zunehmende Komplexität für Entwickler und Administratoren in den Anwendungen eingekapselt und verborgen wird, werden mit großer Wahrscheinlichkeit schwerfällige, in der Performanz ineffiziente und aufgeblähte Anwendungen entwickelt und in den Benutzerbetrieb eingeführt.

Q&A

Frage: Heute haben wir in der Automobilindustrie einen hohen Reifegrad durch Modularisierung von Komponenten erreicht. Dies impliziert z.B., dass in Reparaturwerkstätten Komponenten als 'black boxes' behandelt werden können und in ihrer inneren Funktionalität nicht mehr verstanden werden müssen. Fehlfunktionen lassen sich von außen testen, ausgefallene Module werden als Ganzes ausgetauscht. Welchen Einfluß haben die analogen Entwicklungen von 'plug in modules' im IT-Bereich auf Entwickler und Administratoren?

Bob Balaban: Um Module einfach zusammenstecken zu können brauchen wir Standards, damit sie vernünftig zusammenarbeiten. In vielen Fällen haben wir diese Standards in der Softwareindustrie noch nicht. J2EE ist ein wichtiger Schritt, diese Standards zu definieren und einzuführen. Diese Entwicklung wird von einem Firmenkonsortium vorangetrieben (Sun ist gleichwohl Eigentümer), das bei seiner Kooperation erheblichem Druck von außen ausgesetzt ist (z.B. Microsoft). Die Mitglieder des Konsortiums sind gleichzeitig Wettbewerber, die ihre eigenen J2EE-konformen Produkte am Markt anbieten. Ein (üblicher) Weg der Wettbewerbspositionierung ist der, spezifische Besonderheiten einzubauen, um sich von anderen Wettbwerbern abzusetzen. Dies wiederum führt zur Aufweichung bis Aufhebung des Standards (und des Konsortiums von innen). Insgesamt gesehen lassen sich durch Standardisierung viele Dinge erheblich mehr automatisieren und leichter im Verbund betreiben. Es wird hierbei auch immer ein prinzipielles Abwägen bei den einzelnen Systemmerkmalen geben; manche Entwicklungen sind nun einmal nachteilig für Entwickler aber vorteilhaft für Administratoren - und umgekehrt.

Frage: Was ist Ihre Sicht im Hinblick auf die zukünftige Position des Notes Client angesichts der bevorstehenden Markteinführung von Lotus Notes/Domino Release 6?

Bob Balaban: Einerseits stellt der Notes Client eine sehr reichhaltige Vielfalt von Funktionalitäten für Benutzer mit Benutzerschnittstellen bereit, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Andererseits setzt sich der Trend in Richtung Browser-basierter Anwendungen und Portale fort. Der Notes Client kann (derzeit noch) nicht in einem Browser oder Portal betrieben werden. Der Notes Client in seiner jetzigen Form scheint ferner nicht in IBM's J2EE Strategie zu passen. Deshalb mag er sich möglicherweise zukünftig in Richtung einer Java-basierten Anwendung entwickeln, die im Web-Browser läuft und Web Services in Anspruch nimmt, die vom Domino Server bereitgestellt werden. Aber derzeit ist der Notes Client für IBM/Lotus eine erhebliche Einkommensquelle, mehr als je mit dem Domino Server verdient wurde. Deshalb spricht viel dafür, dass der Notes Client in seiner jetzigen Architektur noch eine nachhaltige Zukunft vor sich hat.

Frage: Mehr und mehr haben wir Web-basierte 'fat client' Anwendungen, die in ihrem operativen Betrieb nicht den Browser benutzen, aber via Browser auf den Client geladen und dort installiert werden, z.B. bei E-Banking oder auch Groove. Wie ist der Lotus Notes Client vor dem Hintergrund dieser Trends zu beurteilen?

Bob Balaban: Der aktuelle Trend geht in Richtung Web-basierter Anwendungen, ob man das nun mag oder nicht. Für viele Leute scheint der Browser kostenlos zu sein, obwohl er eine Menge indirekter Kosten verursacht. Viele meinen offenbar, es sei kostengünstiger und leichter, Anwendungen zu entwickeln und einzuführen, die Browser-basiert sind. Man muss hiert derzeit mit erheblichen Unzulänglichkeiten kämpfen, vor allem auch bei der Gestaltung der Benutzerschnittstelle. Aber die Entwicklung ist im vollen Gang und es gibt mehr und mehr 'plug ins', die anspruchsvollere Web-Entwicklung unterstützen. Der Markt tendiert derzeit wohl in Richtung Web-basierter Clients und Anbieter müssen diesen Trend unterstützen, um im Markt zu überleben.

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Einsatz von Lotus Notes zur Geschäftsprozessoptimierung
Dr. Wolfgang Littmann

Im Kontext kollaborativer Anwendungen kann nicht das Ziel sein, voll automatisierte (starre) Workflows zu erzeugen; vielmehr ist Team-/Gruppenarbeit in flexiblen Interaktionsmustern zu unterstützen. Starre Workflows können zu einer Verlangsamung oder sogar zu einem vollständigen Stopp eines Prozesses führen. These: Marktplätze und nicht Workflows abbilden! Replikation kann neben der Anbindung von mobilen Anwendern z.B. im Zusammenhang mit selektiver Replikation auch als Design-Feature verwendet werden. These: Replikation ersetzt komplexe Programmierung! Marktplätze und Gruppenarbeit erlauben flexiblere Abwicklung von Prozessen durch interne Koordination anstatt durch starre Workflows. Selbstorganisation und Verantwortung von Teams sind aus Personalsicht entscheidend. These: Pull & Push statt Workflow!

Q&A:

Frage: Wenn das "chaotische" Pull & Push gegenüber "klaren" Workflows überlegen ist, warum gibt es dann 600.000 Domino Workflow Nutzer? Ist dieser Ansatz nur für "reife" Organisationen mit souveränen Mitarbeitern anwendbar, was aber in vielen Organisationen nicht der Fall ist?

Wolfgang Littmann: Die Kommunikation ist das entscheidende, erfolgsbestimmende Kriterium. Automatisiert wird mit steigender Begeisterung das Unwichtige. Z.B. hat sich bei BASF die Vorabgenehmigung z.B. von Überstunden als in der Realität nicht durchführbar herausgestellt, so dass dafür kein vorab geplanter starrer Workflow erstellt wurde. Wichtig ist der selbständige Mitarbeiter mit Spielräumen, der über aufgezeichnete Informationen ex post gesteuert werden kann, was durch typische Genehmigungsprozesse nicht möglich ist. Es geht darum, weg von starren (Workflow-) Strukturen hin zu mehr Flexibilität zu kommen.

Frage: Stellt das Vorgehen/Gesagte nicht eher eine Verquickung von organisatorischen Problemen mit Lotus Notes Technologie dar? Stellt die Realisation kleiner Module nicht einen Rückschritt dar, der den Anwender durch die Vielzahl der Module und Abhängigkeiten überfordert? Kann ein zuviel an Parallelität nicht auch nachteilig/ineffizient sein?

Wolfgang Littmann: Workflows sind nicht grundsätzlich abzulehnen, aber 90% der Diskussionen über zu implementierende Workflows sind unnötig, da durch eine pragmatische Lösung eine bessere Abbildung erfolgen kann. Es besteht eine enge Verknüpfung von organisatorischen Fragen und der technischen Umsetzung. Durch die Implementation einer einfachen Notes-Datenbank, konnte z.B. nach einiger Zeit, der Prozess von 5 auf 2 Schritte reduziert werden. Bei einmal fest in Workflows gegossenen Prozessen besteht die Gefahr, dass diese starr bleiben und Abläufe zementieren, nicht weiter hinterfragt werden, so dass der Prozess mit 5 Schritten ineffizient geblieben wäre. Sicherlich gibt es Situationen, in denen festzustellen ist, dass parallel geleistete Arbeit unnötig war. Dies stellt aber eher die Ausnahme dar und wird bewusst in Kauf genommen, um die inhärenten Vorteile der Parallelität zu nutzen.

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Single Sign On mit Domino, WebSphere, SAP und anderen Produkten
Kosten senken, Sicherheit und Anwendungsfreundlichkeit erhöhen mit Benutzer- und Passwortverwaltung in einer durchgehenden Architektur
Boris Baltzer

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass 30-50% der Anfragen am Helpdesk mit Passworten zusammenhängen, wobei die Kosten pro Anruf auf zwischen 20-80$ geschätzt werden. Neben dem Kostenaspekt sprechen viele weitere Aspekte für eine SSO Lösung, sowohl vom Administratorenstandpunkt als auch aus Sicht der Endanwender. Zur Implementation einer SSO Lösung stehen viele teilweise sehr unterschiedliche Ansätze zur Verfügung. Wichtig ist daher, dass zuerst die Anforderungen klar identifiziert werden müssen, bevor eine Technologieentscheidung gefällt wird. Als Basis kann aber eine zentrale Benutzer- und Passwortverwaltung angesehen werden.

Q&A

Frage: Es wurden nur Lösungen auf Applikationsebene vorgestellt. Wie verhält es sich aber auf Netzwerk- bzw. Betriebssystemebene mit SSO?
Boris Balzer: Synchronisation von Passworten mit Windows NT und Windows 2000 spielt für Kunden auch eine große Rolle. Dazu bietet Notes die Passwortpropagation an, bei der beim Ändern des Notes-Passworts auch das Windows Passwort geändert. Für weitere Funktionen sind Zusatztools notwendig.

Frage: Die Einführung von Smartcards erfordert einen hohen Aufwand. Gibt es Standards, so dass Investments auch in 2-3 Jahren geschützt sind?
Boris Balzer: Allgemein wurden PKI-Infrastrukturen aus dem Vortrag ausgeklammert. PKIs sind sehr komplex zu planen, zu installieren und zu betreiben, so dass erfolgreich zu Ende geführte Projekte selten sind. Grundsätzlich existieren Standards zur Speicherung von Informationen auf Smartcards. Diese werden von Notes 6 unterstützt, was allerdings nicht ausreicht, um eine Interoperabilität und Zukunftssicherheit zu gewährleisten!

Frage: Wo liegt der weitere Nutzen von Smartcards, denn nur zur Authentifizierung wird selten eine komplette Infrastruktur aufgebaut?
Boris Balzer: Es muss ein Zusatznutzen generiert werden, der die Einführung oder Verwendung für Authentifizierungszwecke rechtfertigt. Bspw. kann eine Smartcard für viele Bereiche eines Unternehmens, wie zur Bezahlung in der Kantine, als physische Zugangskontrolle etc. eingesetzt werden. Bestehen diese Anwendungen bereits, dann kann auch die bestehende Infrastruktur mitgenutzt und die Kosten aufgeteilt werden.

Frage: Auf welcher Basis arbeitet das AdminTool?
Boris Balzer: Es werden die Notes-Standardfunktionalitäten genutzt, diese aber mit weiteren Notes-Elementen kombiniert. Bspw. werden generierte IDs verschlüsselt in einer Notes-Datenbank abgelegt. Durch diese und weitere Maßnahmen ist es möglich die System- von der Benutzeradministration zu trennen. Im gezeigten Beispiel werden die personenbezogenen Daten nur aus SAP ausgelesen, prinzipiell ist aber auch ein automatischer bidirektionaler Austausch möglich.

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IBM WebSphere Software - Trends & Überblick
André Tecklenburg

WebSphere ist eine Produktfamilie, die in den Bereichen "Kundenbindung & Information", "Basis und Tools" sowie "Business Integration" Produkte/Services anbietet. Das Produktportfolio soll es ermöglichen, die Wertschöpfungskette durchgehend über verschiedene Systeme hinweg zu unterstützen. Dabei werden besonders die Integrationsmöglichkeiten als besonderer Vorteil von IBM gegenüber seinen Mitbewerbern auf den verschiedenen Produktfeldern gesehen.

Q&A

Frage: IBM ist wie ein großer Elefant, kraftvoll, er geht unbeirrbar weiter und man sollte vorsichtig im Umgang mit ihm sein! Wie kam es zum 'Heldentod' der neuen Web-Engine "Garnet" (Servlet & JSP)?
André Tecklenburg: WebSphere ist eine Infrastruktursoftware, die selbst keine Mail-, Directory- Workflow-Services etc. anbieten wird, deshalb werden Server wie Domino auch weiterhin für solche Aufgaben benötigt. Die Zusammenarbeit von IBM Software Groups wird allen Vorteile bringen.

Frage: Eine bestehende Domino Webanwendung auf einer S390 war nicht mehr performant genug. IBM empfiehlt den Umstieg auf WebSphere ebenfalls auf einer S390. Das bringt aber einige Probleme im Zusammenspiel mit Domino und ist keine zufriedenstellende Lösung, da auch entsprechende Experten fehlen!
André Tecklenburg: Integration/Zusammenarbeit der Brands führt zu verbesserter Kompatibilität und Integrierbarkeit der verschiedenen Produkte. IBM intern und durch externe Partner stehen zunehmend mehr und mehr Experten zur Verfügung, die entsprechendes Consulting und Implementierung durchführen können.

Was sind Web Services und welches Potential steckt in ihnen ?
Wolfgang Weyand

Heutige Infrastrukturen von Web-basierten Applikationen sind von einer großen Anzahl technisch unterschiedlichster Schnittstellen zwischen den beteiligten Systemen gekennzeichnet. Dabei handelt es sich vor allem um 'point-to-point' Integrationen. Prinzipiell ist dabei bei Änderungen in einer Anwendung von Anpassungsaufwand mit der/den korrespondieenden anderen Anwendung(en) auszugehen. Web Services können demgegenüber als Basis für zukünftige Enterprise Application Integration (EAI) angesehen werden, bei denen diese grundlegende Schnittstellenproblematik nicht gegeben ist. Sie ermöglichen die dynamische Kommunikation zwischen Anwendungen und die dynamische Integration von Anwendungen. Web Services sind standardisiert und werden von einer großen Anzahl von Herstellern unterstützt. Sie bauen auf XML und HTTP als Basiskomponenten auf. Web Services haben besonders auch für kleinere und mittlere Unternehmen das Potential, die dort angebotenen bzw. nachgefragten IT-Funktionalitäten und Anwendungen in effektiver Weise über das Internet zu koppeln.

Q&A

Frage: Wie passt Lotus Notes/Domino in das gezeichnete Bild von miteinander kooperierenden Web Services und wie lässt sich ein Mehrwert erkennen?
Wolfgang Weynand: Grundsätzlich beziehen sich Web Services immer auf eine Web-Infrastruktur, die zunächst einmal unabhängig vom Notes Client definiert ist und den Notes Client nicht als standardmäßiges Interface hat. Um den Notes Client oder Domino Server Web Service-fähig zu machen, müssen sie sowohl SOAP Messages erzeugen als auch konsumieren können. Momentan sind beide Produkte auf Client/Server Beziehungen mit Propriety-Protokoll ausgelegt und nicht für diese Art der Kommunikation vorbereitet. (Über ein Enabling Kit kann man Notes/Domino aber bereits in Version 5, zu einem Konsument von Web Services machen.) Der Mehrwert gegenüber dem nur webfähig machen bestehender Anwendungen besteht bei Web Services darin, dass bestehende Anwendungen und Funktionalitäten über Standards zu Gesamtsystemverbunden zusammengeführt und kombiniert werden können.

Frage: Bei dem gezeichneten Bild zukünftiger Entwicklung: Wie lässt sich die Frage nach der Zukunftssicherheit des Notes Clients und dem Schutz bereits in diesen getätigter Investitionen beurteilen?
Wolfgang Weynand: Im allgemeinen tendiert der Markt zu generischen Interfaces (Web Browsern) für alle Anwendungen. Der Notes Client bietet aber eine Reihe von Funktionalitäten, die bis auf weiteres mit einem Web-Browser nicht nachzubilden sind. Deshalb hängt es sehr stark von der Arbeitsweise der Mitarbeiter und den eingesetzten Applikationen ab, ob und wann der Notes Client zum Einsatz kommt. Die Frage sollte aber auch nicht sein ob entweder Notes Client oder Web Browser. Vielmehr zeigt die Realität, dass praktisch alle Firmen die den Notes Client einsetzen, parallel auch einen Browser verwenden. Es stellt sich allerdings ohne Zweifel die Frage, in welche Richtung sich diesbezüglich in Zukunft der Markt entwickelt.

Frage: Was sind die Triebfedern für die zukünftige Entwicklung bei IBM im Hinblick auf Lotus Notes/Domino und welches Ziel werden diese verfolgen?
Wolfgang Weynand: Alle Entscheidungen werden am Markt orientiert. Die Entwicklungen fokussieren sich darauf, Infrastrukturen zu schaffen, welche die am Markt üblichen Standards unterstützen. Seit langem wird bereits eine Öffnung (auch von Lotus Notes/Domino) in Richtung auf einen standardisierten Zugang der Funktionen verfolgt, wobei Web Services ein aktueller wichtiger Aspekt ist. Der Notes Client wird aktuell benötigt, er nutzt aber nur die Funktionalitäten die der Domino Server anbietet und ist daher kein universeller Client.


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Aufbau und Architektur des IBM WebSphere Application Servers
Cemal Cömert

WebSphere steht in der Version 4 in drei unterschiedlichen Editionen zur Verfügung, die vor allem verschiedene Anforderungen im Bereich Skalierbarkeit erfüllen. Es bietet dabei eine Reihe von Tools, um die Administration von WebSphere möglichst gut zu unterstützen. Die Skalierbarkeit lässt sich über verschiedene Strategien verfolgen. WebSphere unterstützt dabei die vertikale und horizontale Skalierung, Multi-Tier-, sowie Multi-Domänen Aufbau. WebSphere ist darüber hinaus als Plattform zur Unterstützung von Web Services vorbereitet.

Q&A

Frage: Alles wird komplexer, wie passt da Kollaboration wie in Notes/Domino zu den Strukturen, die WebSphere bietet? Müssen alle Firmen den J2EE-fähigen 'big-server' installieren?
Cemal Cömert: Domino arbeitet im Bereich dokumentenbasierter Systeme, wobei die Dokumente in einem Team genutzt und verwaltet werden müssen. Für diese Aufgaben wird Domino weiterhin eine eigenständige Aufgabe haben. WebSphere hingegen ist vornehmlich im Transaktionsbereich angesiedelt und bildet dort eine Basisplattform, die zunächst einmal sehr viel Entwicklungsaufwand erfordert, um Anwendungen zu realisieren. Insgesamt handelt es sich um zwei Plattformen mit unterschiedlichen Zielen, wobei Synergien entstehen, wenn man sie zusammen einsetzt.


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Java Anwendungsentwicklung mit IBM (WebSphere Studio Application Developer)
Heinz Ebensperger

Das neue WebSphere Studio Application Developer stellt ein "best of breed development environment" dar, das auf einem offenen Framework (Eclipse) aufbaut und eine integrierte Plattform mit einer plug-in Architektur darstellt. Es dient dazu, den vollständigen 'development life cycle', sowohl auf der Client- als auch Server-Seite abzubilden und umfasst Code-Development bis hin zum Debugging und Profiling in einer Umgebung. Durch die plug-in Architektur werden in Zukunft Drittanbieter Erweiterungen zur Integration anbieten, wie es jetzt z.B. bereits die Firma Rational macht. In zukünftigen Versionen werden weitere Tools wie etwa Business Integration und Workflow Tools integriert werden. Darüber hinaus ist daran gedacht, auch ein add-on anzubieten, mit dem es möglich ist, z.B. Lotus Script Code für Domino Anwendungen zu entwickeln.

Q&A

Frage: Welche Auswirkungen sind auf die Domino Entwicklung zu erwarten und wie lässt sich Know How aus dem Domino Bereich in die neuen Bereiche übertragen?
Heinz Ebensperger: In den nächsten 1-2 Releases von WSAD werden noch keine Entwicklungsfeatures für Lotus Domino enthalten sein. Eine Integration erster Funktionalitäten ist im Zeitrahmen der nächsten 1-2 Jahre zu erwarten, wobei diese aber sicherlich den Domino Designer nicht obsolet werden lassen. Der Übergang von Domino Entwicklung hin zu J2EE und Java, wird durch die objektorientierte Syntax von Lotus Script und die bereits vorhandene Möglichkeit Agenten in Java programmieren zu können gefördert.


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Clustering and High Availability Applied to Business Critical Solutions
George Chiesa

Anwender haben nicht so sehr Probleme mit geplanten Ausfallzeiten außerhalb üblicher Geschäftsstunden, sondern vielmehr Probleme mit ungeplanten Ausfallzeiten während der Geschäftszeiten.Es ist dabei nicht vernünftig dahinein zu investieren, dass jeder einzelne Server maximale Verfügbarkeit hat (die Frage ist im übrigen, ob hier die Akkumulation von 'patches' prinzipiell überhaupt helfen kann, ein solches Ziel zu erreichen - es würde jedenfalls enorm viel Geld kosten). Vielmehr sollten Ausfallzeiten einzelner individueller Server von vornherein einkalkuliert sein, wobei die gesamte Systemleistung von einem Cluster solcher einzelner Server erbracht wird.

Q&A

Frage: Welche Schritte führen zu einer möglichst hohen Verfügbarkeit von Servern in einem Cluster-Verbund?
George Chiesa: Im ersten Schritt ist das Cluster aufzubauen, dann jeder einzelne Server im Cluster stabilisieren und das ganze Cluster in einen prinzipiell stabilen operativen Betrieb zu überführen. Im zweiten Schritt sind die einzelnen Serverkomponenten individuell in ihren Details abzustimmen und die gesamte Konfiguration ebenfalls fein einzustellen.

Frage: Welche 'cluster awareness' hat der Notes Client wenn er mit einer Datenbank auf einem Server arbeitet und der Server fällt aus?
George Chiesa: Nahezu alle Notes Clients sind 'cluster/fail over aware'. Das bedeutet zum Beispiel, dass im Fall eines versuchten Mail-Zugriffs auf einen ausgefallenen 'home server', der Notes Client automatisch eine Relokation auf eine Mail-Replica auf einen anderen Server im Cluster vornimmt. Für andere Anwendungsdatenbanken ist die 'cluster awareness' in der Entwicklung vorzusehen, anderenfalls besteht die Möglichkeit, dass automatisches 'fail-over' nicht (richtig) funktioniert. (Im übrigen: Die Präsentation war über die Administrationsaspekte des Clustering, nicht aber über die Systementwicklung)


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Portalinfrastrukturen mit IBM WebSphere Portal Server & Lotus K-Station
Jörg Knippschild

IBM verfolgt mit der IBM WebSphere Portal Family eine "Ein Portal"-Strategie. Dabei werden Komponenten aus allen Pfeilern der IBM Software Group (WebSphere, Lotus, Tivoli, DB2) zusammengebracht und in den neuen Version WebSphere Portal Family 4.0 integriert und konsolidiert. Der Lotus Discovery Server erlaubt die Kategorisierung von Informationen anhand von bereits vorhandenen Datenbeständen und (Meta)-Informationen. Dabei werden die Affinitäten von Benutzern zu Informationen, die Nutzungsart und -häufigkeit von Informationen einbezogen, um eine Zuordnung von Personen (Experten) zu Informationen und Wissensgebieten zu erreichen.

Q&A

Frage: Können für den Lotus Discovery Server auch andere Directories als das Domino Directory eingesetzt werden?
Jörg Knippschild: Die engste Verzahnung besteht mit dem Domino Directory, es können über LDAP bzw. Directory Assistance aber auch andere Directories eingebunden werden.

Frage: Wie hoch ist der Aufwand, um eine K-Map erstmals zu generieren?
Jörg Knippschild: I.d.R. wird der Verkauf des Lotus Discovery Servers mit weiteren Serviceleistungen gekoppelt. D.h. das ein Paket mit ca. 10 Tagen Einrichtung/Beratung mit gekauft wird. In dieser Zeit werden von der Installation bis zum ersten Aufbau der K-Map alle Einführungsmaßnahmen durchgeführt.

Frage: Wie sind Lotus Quickplace und Sametime in die neue Strategie integriert bzw. welche Rolle spielen die zukünftig?
Jörg Knippschild: Ende Juni wird es von Quickplace und Sametime jeweils neue Versionen 3.0 geben. Insgesamt wird eine größere Integration zwischen den bestehenden Lotus Produkten angestrebt. Für Sametime stehen speziell eine Verbesserung der Audio- und Video-Qualität, die bessere, leichtere Administration und das vollständige Tunneling über den HTTP-Port 80 im Vordergrund. Sowohl Quickplace als auch Sametime sind Bestandteil des WebSphere Portal Servers ab der Stufe 'Experience', wobei hier eine enge Kopplung ohne Technologiebrüche realisiert ist.

Frage: Öffnet das Tunneling über Port 80 nicht Löcher in bestehenden Firewall Konfigurationen?
Jörg Knippschild: Sicherlich ergeben sich evtl. neue Risiken, allerdings ist das Tunneling über Port 80 nur eine weitere, von Kunden geforderte, Variante. Die Kommunikation über die nativen Ports bleibt natürlich weiterhin bestehenden. Durch die neuen Funktionen wird nur die Flexibilität gesteigert und den Kundenwünschen entsprechend nachgekommen.

Frage: Wie lässt sich Domino.Doc gegenüber dem IBM Content Manager einordnen?
Jörg Knippschild: Es handelt sich um zwei vollständig getrennte Produkte mit zwei getrennten Entwicklerteams und Zielrichtungen. Von Domino.Doc wird es voraussichtlich 3 Quartal ein neues Release geben. Kernfunktionalität bleibt aber das Gruppen-basierte Dokumentenmanagement bzw. die Verwaltung von Dokumenten. Der IBM Content Manager verfolgt eine andere Zielrichtung, in dem er Informationen - gleich aus welcher Quelle sie stammen - für das Web aufbereitet und als Web-Content Management System fungiert.