Nastansky, Ludwig; Seibt, Dietrich; Paper: Paperless Office 1994.

THEMES: Nastansky, Ludwig\...\07_Prof-Seibt-... | Seibt, Dietrich | Paper\Efficiencies
YEAR: 1994
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User: Anonymous


LABEL: Paperless Office
ORGANIZATIONS: Press
PEOPLE: Pope | Seibt, Dietrich
PLACES: Köln | Ostwestfalen | Paderborn
THINGS: Joke
TIME: 2003
 

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The Pope of Paperless Office himself: Paperless Office succesfully arriving!


erschienen in: Rhein-Neckar-Zeitung, vom 07.10.94
erschienen in: Neue Westfälische, Nr. 280, vom 03.12.94

Prof. Ludwig Nastansky aus Ostwestfalen-Lippe hat den "Kampf" gegen die tägliche Papierflut in deutschen Büros aufgenommen.
"Der Papst des papierlosen Büros" fordert die papierungebundene Kommunikation, die mit computergestützten Datenbanken umgesetzt werden kann. Eine Reduzierung des täglichen Papierberges auf 20 % hält der Wissenschaftler für technisch durchaus möglich.
Foto: OstWestfalenLippe Marketing GmbH


Die tägliche Papierflut ist allgegenwärtig. Egal. ob im Büro oder in den heimischen vier Wänden - Briefe, Notizen, Unterlagen oder Verträge füllen Regale und Schränke: In Deutschland allein sind das täglich 20 000 Tonnen Papier. Daß es auch anders geht, zeigen die Forschungsarbeiten von Professor Ludwig Nastansky. Der "Papst des papierlosen Büros" lehrt am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der ostwestfälischen Universität-Gesamthochschule Paderborn, eine von insgesamt sechs Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe.

Wer den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik besucht, dem wird gleich an der Eingangstür jene Botschaft verkündet, die dort sprichwörtlich zum Programm geworden ist: "Papierarme Zone". Quasi als Vorgriff auf das, was der deutschen Industrie technologisch in den kommenden Jahren ins Haus steht, hat Professor Nastansky die papiergebundene Kommunikation bereits zu den Akten gelegt. Bei ihm werden eingehende Briefe oder Faxe über einen Scanner direkt in eine Team-Datenbank eingespeichert. Die Informationen können von all jenen Mitarbeitern am Bildschimm abgerufen und arbeitsteilig bearbeitet werden, die über eine entsprechende Zugangsberechtigung verfügen. "Dieser 'Workflow Management' genannte Informationstransfer ist zur Zeit in der Wirtschaft eines der heißesten Themen", weiß Nastansky, der seit 1991 an der Universität Paderborn tätig ist. Verständlich, daß der Professor auch bei der Kommunikation mit externen Gesprächspartnern die aktuellen technischen Möglichkeiten zur Papiervermeidung nutzt: Über eine ISDN-Verbindung und ein Modem korrespondiert er per Fax oder Computer direkt und papierlos.

Der gelernte Wirtschaftswissenschaftler schätzt, daß bislang nur fünf bis zehn Prozent der Informationen, die für eine Firma ökonomisch relevant sind, mittels Computer verarbeitet werden. Der Rest wird in Ordnern abgelegt, anschließend archiviert und ist bei Bedarf nur mühsam wieder aufzufinden. Dabei bietet die Technik bereits heute ausreichende Alternativen zum Papier.
Bestes Beispiel ist die ostwestfälische Universität selbst. Die angehenden Wirtschaftsinformatiker können zum Beispiel ihre Seminararbeiten von ihren privaten PCs, die teilweise mit einem Telefonmodem ausgestattet sind, direkt in die Datenbank des Lehrstuhls einspeisen. Referate und Hausarbeiten, die ausgedruckt drei große Schränke mit Aktenordnern füllen würden, sind im Rechner hinterlegt und stehen dem Professor per Knopfdruck in Sekundenschnelle zur Verfügung. Anmerkungen und Korrekturen nimmt Ludwig Nastansky elektronisch durch Anklicken und eine elektronische Erläuterung vor. Den Lohn der Mühen nehmen die Studenten dann aber doch in altbekannter Fomm entgegen: Leistungsnachweise ("Scheine") gibt es weiter auf Papier.

Das Ziel des ostwestfälischen Professors ist, innovative und zukunftsweisende Anstöße über die Grenzen der Universität hinaus zu geben. Dieser Transfer zwischen Industrie und Wissenschaft ist übrigens kein Einzelfall in der Region Die insgesamt sechs Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe pflegen rege Kontakte zu Wirtschaft und Industrie. Für die überwiegend mittelständischen Unternehmen der Region ist die Zusammenarbeit mit den Hochschulen eine Ergänzung der naturgemäß knappen eigenen Forschungskapazität.

Daß sich die informationstechnologisch hochgerüsteten Büroetagen derzeit noch zögerlich mit dem an der Paderborner Fakultät praktizierten papierarmen Informationstransfer anfreunden können, hat vorrangig ökonomische Gründe. Denn "jede Mark, die in die Software fließt, stößt weitere neun Mark für Reorganisation und Mitarbeiterschulungen an", rechnet der Wissenschaftler vor. Doch der Druck wächst: "Der Wettbewerb verlangt kundenorientierte Organisations- und Informationsstrukturen", weiß Nastansky.

Versicherungsunternehmen gehören hierbei zu den Vorreitern. Deren Beratung und Betreuung soll nicht mehr an streng arbeitsteilig gezogenen Spartengrenzen enden, sondern sich übergreifend ausrichten an den Wünschen und Belangen der Kunden. Damit dies gelingt, müssen alle aktuellen Daten via Bildschirm abrufbar sein. Gleichzeitig muß es möglich sein, sie elektronisch dem Kollegen zur Weiterbearbeitung zu übersenden.

Ein darartiges, "groupware" genanntes Softwareprogramm führt nach den Worten von Nastansky dazu, daß "die jahrzehntelange Arbeitsteilung in Richtung Teamarbeit aufgebrochen wird. Getreu der Devise: Let's work together" - möglichst papierarm natürlich. Auf diesem Wege könnten gleichzeitig ökonomische und ökologische Interessen unter einen Hut gebracht werden. Denn immerhin fallen täglich in Deutschland 20.000 Tonnen Papier an - genug, um einen 25 Kilometer langen Güterzug zu beladen. Eine Reduzierung auf rund 20 Prozent hält der Wissenschaftler "für durchaus nötig und technisch auch möglich". Fachinformationen, wie etwa Börsenkurse, könnten durchaus elektronisch verbreitet werden.

Als Brücke zur Praxis geht Paderborn auch hier mit gutem Beispiel voran. "Neueste Forschungsergebnisse aus Fachpublikationen kommen via Modem direkt und tagesaktuell aus den USA auf meinen Bildschirm", verrät der Wirtschaftsinformatiker. Das klassische Lehrbuch" gehört damit der Vergangenheit an.