DNUG; Nastansky, Ludwig: Grußwort: 10 Jahre DNUG ... und wie geht es weiter?, GCC Groupware Competence Center, Paderborn 2004.

Die Deutschen sind ja bekanntlich Vereinsmeier. Wenigstens dort sind sie noch führend. Also haben sie auch die "Deutsche Notes User Group" (DNUG) im Jahre 1994 als eingetragenen Verein gegründet. Dieser DNUG e.V. hat schon 10 Jahre gehalten und manchen Sturm durchgestanden. Wie alles in Deutschlan...

THEMES: DNUG\...\2004 | Nastansky, Ludwig\...\05_DNUG-Jubila...
YEAR: 2004
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User: Anonymous


ORGANIZATIONS: DNUG | GCC - Groupware Competence Center
PEOPLE: Nastansky, Ludwig
PLACES: Jena | Karlsruhe
THINGS: Grusswort
TIME: 10 years | 2004
 

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    10 Jahre DNUG ... und wie geht es weiter?
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    Die Deutschen sind ja bekanntlich Vereinsmeier. Wenigstens dort sind sie noch führend. Also haben sie auch die "Deutsche Notes User Group" (DNUG) im Jahre 1994 als eingetragenen Verein gegründet. Dieser DNUG e.V. hat schon 10 Jahre gehalten und manchen Sturm durchgestanden. Wie alles in Deutschland wird auch dieser Verein noch viel länger halten. Dem Geburtstag wird auf der bevorstehenden 20. DNUG-Konferenz in Karlsruhe als Jubiläumskonferenz in gebührender Weise Rechnung getragen. Die ächte Notes Gemeinde, diese eigensinnige Gruppe der letzten Aufrechten dieser kompliziertesten aller komplizierten Mail-Technologien wird auch diesen Geburtstag durchstehen. Sie wird ihn feiern, komme was WebSphere wolle! Auf derartige Ideen könnte man spontan kommen, wenn man der 10-Jahre-DNUG Jubiläumskonferenz in Karlsruhe entgegenblickt!
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    Weit gefehlt! Ich sehe die Deutsche Notes User Group als eine der dynamischsten, kompetentesten und energiereichsten Gruppierungen für die "Groupware"-Idee und ihre unerschütterliche Position im aufkeimenden e-Business. Es ist eine Gemeinde mit weltweiter Ausstrahlung, gerade auch in die in jüngster Zeit so ferne und besonders in den letzten beiden Jahren bisweilen unheimliche anmutende USA, dem Land, in dem die Konzernmutter IBM ihre oft eigenartig anmutenden strategischen Entscheidungen um Notes/Domino fällt.
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    Was ist die jetzige und zukünftige Rolle der DNUG?
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    Als Mitbegründer der DNUG (wir wissen, das deutsche Vereinsrecht erfordert mindestens sieben Gründungsmitglieder) hatten wir uns in 1994 vorgenommen, die seinerzeits faszinierende und nicht bekannte Groupware-Idee aus Überzeugung voranzutreiben. Mit Verblüffung stellen jetzt viele der nunmehr teils alten Hasen fest, dass die Überzeugung aus vielfältigen Gründen eher stärker geworden ist, auch die Faszination an Groupware z.B. innerhalb der DNUG-Mitgliedergemeinde erfolgreich herübergekommen ist - gleichzeitig für den Rest der Welt aber offenbar weder unmittelbar noch mittelfristig nachvollziehbar war und ist. Nach wie vor gilt, was Henry Bestritsky so schön auf den Punkt gebracht hat: „The only way to understand Notes/Domino is to simply <get it>. Once you get it you get in and don’t get out.“ DNUG-Mitglieder bilden einen Teil der Gemeinde, die “es verstanden hat” und “in” ist und eine enorme zähe Form von Kraft besitzt.
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    Notes/Domino Technologie war in ihren bisherigen Lebenszyklen trotz der inzwischen über 100 Mio. zählenden Benutzerschar immer polarisierend, vor allem auch im Umfeld der strategischen Entscheider. Kommt die Fähigkeit zur Polarisierung möglicherweise daher, dass die Technologie in entscheidenden und kritischen Phasen ihrer Verbreitung jeweils ungeliebtes und unverstandenes Kind ihrer Eltern, àlias Corporate Eigentümer war? Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit Jim Manzi auf einer wunderbaren (u.a. weil von Lotus gesponsorten) Bootsfahrt auf der Seine durch das abendliche Paris anlässlich des Notes-Launch in Europa 1992. Der seinerzeitige CEO von Lotus Development klagte mir sein Leid, dass er sich innerhalb von Lotus in seiner bedingungslosen Unterstützung von Notes aus innerer Überzeugung zumeist allein auf weiter Front sehe. Der Rest der Company war darauf ausgerichtet, Lotus-123 über Einzelhandelsregale in bunten Pappbehältern zu verschieben. Die zentrale Notes Idee des ‚information sharing’ war einfach nicht kommunizierbar. Jim Manzi ging im Zuge der Akquisition von Lotus durch IBM. Was blieb war, dass die neuen Corporate Eltern insgesamt auch nicht so recht mit dem eigensinnigen Kind klarkamen. Das Anderssein in der Familie störte IBM, d.h., wenn man genau zählt = 350.000 Mitarbeiter minus 5.000 ‚Loti’, außerordentlich. Es nervten Dinge wie: Dezentralität, rich-client Architektur, Kommunikations- und Menschen-zentriert, reiche Funktionalität direkt an einem disconnected Arbeitsplatz, Dokumentenarchitektur statt ordentlicher Tabellen, kaum Nahrungsbedarf aus den richtigen Kochtöpfen wie z.B. DB2, 390/Mainframe oder ordentliche Speichertürme. Die Bestrafung für das Anderssein folgte auf dem Fuß: IBM Marketing hat in den Jahren 2001-2003 allen, die an Notes/Domino glauben, versucht zu zeigen, wo es lang gehen soll – und wurde wieder einmal von dieser zähen Gemeinde die „es verstanden hat“ auf der rechten Seite überholt. Man höre und staune, dass auf der letzten Lotusphere unermüdlich das Gespräch geführt wurde über disconnected Arbeitsplatzstrukturen, reiche Benutzerfunktionalitäten wie sie nur ein Rich-Client liefern kann und moderne Synchronisationstechniken. Die Notes/Domino Gemeinde hat über die konzeptionellen Positionierungen und eifrigen Begründungen gegähnt Dass es aber dazu gekommen ist, haben wir vor allem der zähen Notes/Domino Benutzergemeinde zu verdanken.
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    Also: Notes/Domino ist nicht allein ein Produkt, sondern repräsentiert wie keine andere IT-Umgebung eine Technologie, die nicht nur auf den bunten Marketing-Flyern als für Menschen gedacht positioniert ist, sondern viel schlimmer, zumindest für die Anhänger von Schwerst-Eisen in Central-IT-Umgebungen: Sie hat sich wirklich bei den Menschen als beliebt, derzeit unersetzlich und immer auf dem letzten Stand der Technologie befindlich durchgesetzt. Für das letztere Dank an die zähe Iris Truppe und ihre Lotus Freunde in Massachussetts. Dank aber auch an die weitsichtigen Strategen im IBM Corporate Umfeld, die gleichfalls zu denen gehören die „es verstanden haben“.
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    Zu dieser Menschenorientierung gehört, dass sie nun gerade entscheident von den Benutzern getragen wird und nicht von den Eigentümern der Lizenzrechte. Die DNUG hat hier mit ihrer bunten Mitgliederschar und ihrer Ausstrahlung bei Endbenutzern, Business Partnern, hard-core Entwicklern der ächten schnellen Prototyping Hackerszene (red box garantiert) und als ernst genommenes Gegengewicht gegenüber Lotus und später IBM eine entscheidende Funktion wahrgenommen. Sie wird es auch in Zukunft tun. Die Zeichen stehen allerorten auf „Open Source“. Auch hier ist die entscheidende Ausstrahlung die einer sehr ernst zu nehmenden Anwendergemeinde und nicht die einer Firma als Eigentümer eines Produktes. Wenn ich in den vergangenen Jahren in der Schar der Notes/Domino Weggefährten, die mehr oder weniger alle Mitglieder der DNUG sind, einmal wieder ein Tief im Hinblick auf die Position von Notes/Domino auf dem IT-Markt hatte (derer gab es einige), äußerte sich die grimme Wut vor allem in der Ohnmachtsphantasie: Wann kauft Microsoft endlich Notes/Domino? Bill Gates gehört bestimmt zu denen, die es genau verstehen! Aktuell halten sich diese Art von Agressionsgelüsten in Grenzen. Hin und wieder kommt stattdessen die Idee hoch: Wann wird Notes/Domino endlich Open Source? Möglicherweise werden wir das in der DNUG Gemeinde in der zweiten Dekade erleben. Was dann in der dritten Dekade kommt, dazu später!
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    Ludwig Nastansky
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